Während einer zweitägigen Berlinexkursion hatten Schüler des Jahrgangs 12 der Freiherr-vom-Stein-Schule Hessisch Lichtenau auch Gelegenheit zu einem Gespräch mit Bundesfinanzminister Hans Eichel. Zum Auftakt des zweiten Schulhalbjahres hatten die 37 Schüler und Schülerinnen aus der Lossestadt die Absicht, zusammen mit ihren Lehrern Reinhadt Lorenz und Uwe Petersen, Politik in der Hauptstadt hautnah zu erleben.
Die erste Station des umfangreichen Programms war der Besuch im Bundesfinanzministerium. Dort erfuhren die Schüler nicht nur Details über die wechselhafte Geschichte des Hauses vom Reichsluftfahrtministerium während der Nazizeit über den Sitz der Treuhandanstalt bis zum heutigen Bundesfinanzministerium, sondern erhielt auch eine Einführung in die Wirtschafts- und Finanzpolitik der Bundesregierung.
Dabei stellte sich sogar Bundesfinanzminister Hans Eichel persönlich für eine halbe Stunde zu einem Gespräch zur Verfügung und beantwortete eine Vielzahl von Fragen der Schüler zu einer Reihe aktueller volkswirtschaftlicher und finanzieller Aspekte. So wurde der Minister beispielsweise gefragt, ob im Falle eines Irakkrieges der Staat zur Stützung der heimischen Wirtschaft eine höhere Neuverschuldung in Kauf nehmen würde. Der Minister schloss dies für den angenommenen Fall nichts aus. "Wir fanden das toll, dass sich der Minister tatsächlich für uns Zeit genommen hat und nicht gleich nach einer Viertelstunde wieder abgedampft ist", sagte Sarah Möller und Nadine Sablotny hinterher.
Im Anschluss an das Gespräch hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit von der Zuschauertribüne des Bundestages im Reichstagsgebäude eine Debatte über die Finanzierung von Ganztagsschulen zu verfolgen. Über den Sinn dieser Debatte waren die Schüler geteilter Meinung. Viele hatten den Eindruck, dass es vielen Abgeordneten nur darum ging, den eigenen Argumenten Gehör zu verschaffen, ohne auf die vielleicht berechtigten Bedenken der Gegenseite einzugehen. "Was man sah, war ein oberflächliches, ritualisiertes Geschehen und man konnte miterleben, wie sich manche Abgeordneten in der Debatte ganz schön daneben benahmen", so Daniel Lauterbach und Ruth Borchert.
Michael Roth, der bei der letzten Bundestagswahl seinen Wahlkreis direkt gewonnen hatte, machte anschließend in einer engagierten Diskussion den Versuch, sachlich die vielfältigen Aufgaben der "Volksvertreter" zu erläutern. Dabei schreckte er auch nicht davor zurück, selbstkritisch über das momentane Erscheinungsbild der SPD in der Öffentlichkeit Auskunft zu geben. Sarah Eckhadt war begeistert:" Ich fand Roth total klasse. Er hat alle Fragen beantwortet und ist auf uns ehrlich eingegangen."
Für Michael Roth war es der erste Besuch einer Schülergruppe nach dem Neuzuschnitt des Wahlkreises und er nutzte die Gelegenheit
mit den Lichtenauer Schüler intensiv ins Gespräch zu kommen und ihre Ansichten zu erfahren.
Zum Abschluss dieses Tages besichtigten die Schüler auch die imposante Kuppel des Reichstages und warfen einen Blick auf das
nächtliche Berlin.
Der folgende Tag beinhaltete für einen Teil der Schüler einen Besuch im Jüdischen Museum. Das von Daniel Libeskind gestaltete Bauwerk bietet im Inneren seiner spektakulären Architektur den Besuchern einen eindrucksvollen und umfassenden Überblick über 2000 Jahre jüdische Geschichte in Deutschland und Europa. Die zweite Gruppe tauchte in die "Berliner Unterwelt" ab, eine Führung durch noch erhalten gebliebene Bunkeranlage des Zweiten Weltkrieges. Hier konnten die Schüler ein Gefühl dafür entwickeln, unter welchen Bedingungen manche Menschen den Zweiten Weltkrieg durchstehen mussten.
Auf der Rückfahrt nach Hessisch Lichtenau zogen die Schülerinnnen und Schüler ein einhelliges Fazit:
Trotz zeitweise klirrender Februarkälte zwei interessante, anstrengende und spannende Tage in Berlin, in denen vor allem die Politik lebendig wurde und man einen Einblick in die Arbeit der Politiker gewinnen konnte.