Freiherr-vom-Stein-Schule

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Gesamtschule mit gym. Oberstufe in Hessisch Lichtenau

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Schüler wollen Pepp in der Kirche

Landesbischof Dr. Martin Hein besuchte Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule

HNA

"Ich finde unser Gesangbuch auch lang­weilig." Staunende Gesichter der Neuntklässler in der Lossestädter Freiherr-vom-Stein­Schule. Denn wer da so hart mit den geistlichen Liedern ins Gericht ging, war nicht ir­gendwer, sondern Dr. Martin Hein persönlich. "Ich würde mir wünschen, die Musik wä­re mehr gefühlsbetont", fuhr der Landesbischof der Evan­gelischen Kirche Kurhessen ­ Waldeck fort. Per E-Mail wurde Hein von der Klasse G lO b kontaktiert und sollte einige Fragen über seinen Beruf beantworten. Kurzerhand entschloss sich Hein, persönlich vorbeizu­kommen. Er besuchte am Frei­tagmorgen zwei Klassen - so auch die R 9c. Die ursprünglichen Fragen zum Beruf waren schnell geklärt. Was dann Thema wurde, war interessanter. Zumal der Besucher, der auch nur ein normaler Mensch mit Frau und zwei Töchtern ist, in der Schule auf eine schwierige Zielgruppe traf. Im Raum stand die Frage: Wie gehen Ju­gendliche mit Glauben und Religion um?
"Gottesdienst soll uns persönlich ansprechen, sonst sitzen wir da und drehen Däumchen", forderte eine Schülerin. Ein Standardprogramm sei bei jungen Leuten nicht mehr gefragt, sondern Pep und Abwechslung - wofür letztlich die Pfarrer sorgen müssten.
Hein jedoch wusste längst um die Problematik und führ­te neben dem Beispiel mit dem Gesangbuch auch an, dass je­de Generation eigene Ansprü­che stellt. Darin liege der Knackpunkt: "Der Gottesdienst ist die einzige Veranstaltung, wo alle Generationen versammelt sind.“ Natürlich gebe es bereits Alternativen, spezielle Kirchenveranstaltungen wie Hip­Hop-Gottesdienste oder Konfirmandenstunden. Auch den Kirchentag in Berlin nannte der Bischof, der das ehrenvol­le Amt seit rund drei Jahren bekleidet, beispielhaft für neue Angebote und nicht nur das: "Gottesdienst kann auch gefährlich sein - wer Gott begegnet, kommt nicht unverän­dert aus der Kirche." Dass sich etwas ändern müsse, stehe außer Frage, resümierten Hein und Religionslehrer Heiko Siebert-Gittermann: "Möglich sei eine Pfarrkonferenz in der Schule." Junge Menschen könnten dabei ihre Wünsche vortragen und den Geistlichen Anregungen für einen attraktiveren Got­tesdienst geben. Schließlich seien es nämlich die Pfarrer, die etwas bewegen müssten.


Schulbesuch: Bischof Dr. Martin Hein beantwortete Fragen von Schülerinnen und Schülern, hier die G10b, und lieferte über­raschende Bekenntnisse ab. Ganz rechts Lehrer Heiko Siebert-Gittermann
FOTO: MSX
Martin Schülbe