Mit Knigge zur Lehrstelle
Bewerbungstraining und Praxisnähe - Hauptschüler machen die Mittlere Reife
HNA, Samstag 12.Juni 2004
HESS. LICHTENAU. Diana will Krankenschwester werden. Oder Frisörin. Sie hat den Hauptschulabschluss, aber der reicht ihr nicht. Diana will ihre beruflichen Ziele erreichen, „und mit der Mittleren Reife hab' ich auf dem Arbeitsmarkt einfach bessere Chancen", sagtdie17-Jährige. Nach der neunten besucht sie deshalb mit 13 weiteren Hauptschülern die zehnte Klasse, genannt H 10, an der Hess. Lichtenauer Freiherr-vom-Stein-Schule.
Voraussetzung, um bei der kleinen aber motivierten Lerngruppe bei Klassenlehrer Nicolas Sola Requena dabei zu sein, ist ein guter Notendurchschnitt. Wer in der Neunten in den Hauptfächern nicht schlechter als mit Note drei, möglichst natürlich besser abschneidet, kann von den Pädagogen für die H 10 vorgeschlagen werden. Besonderheit der Klasse ist neben eigenständiger Projektarbeit in verschiedenen Fächern vor allem die starke Berufsorientierung, erläutert der pädagogische Schulleiter Uwe Petersen. Im ersten Halbjahr liegt der Schwerpunkt auf Bewerbungstraining. Das Gespräch mit dem künftigen Chef kann die Schüler der H 10 nach zahlreichen Übungseinheiten mit ihrem Klassenlehrer sowie geladenen Partnern aus der Wirtschaft gar nicht mehr aufregen. „Wir haben viel gelernt", sagt Diana. Vom Bewerbungs-Knigge hat sie vor allem dies behalten:„ Gutes Auftreten, Haltung, ordentliche Kleidung und sich nicht alles aus der Nase ziehen lassen."
Und was noch? „Keine Zigaretten annehmen und auf keinen Fall zu spät oder verschlafen kommen", ergänzt Klassenkamerad Patrick. Der 18-Jährige will Einzelhandelskaufmann werden. Er hat die Tipps bei seiner Vorstellung beherzigt und prompt einen Praktikumsplatz bei TeGut ergattert. Denn die Mitarbeit in einem Betrieb ist Schwerpunkt des zweiten Halbjahres. „Die Schüler bewerben sich, hospitieren eine Woche und kommen dann regelmäßig jeden Dienstag zur Arbeit", erläutert Klassenlehrer Sola Requena. „Durch den persönlichen Kontakt zwischen Schüler und Betrieb ist schon mancher Ausbildungsplatz herausgesprungen.“ Darauf hofft auch Diana. Sie macht ein Praktikum im Frisörsalon und hofft, dass ihr dort eine Lehrstelle angeboten wird. Schon jetzt packt sie tüchtig mit an. Arbeit bis abends um sechs – eine harte Umstellung zum Schulalltag. „Aber wenn man sich erst dran gewöhnt hat, macht es großen Spaß!“
Organisation ist alles: Diana Riemann und Patrick Büttner, Schüler der H 10, müssen Schule und Praktikum auf dem Weg zur Mittleren Reife unter einen Hut bringen. Dabei hilft Lehrer Nicolas Sola Requena.