Hessisch Lichtenau. Ganz ungewohnte Töne lockten gestern die Schüler der Hessisch Lichtenauer Freiherr-vom-Stein-Schule vor das Gebäude. Eine Nationalhymne im Reggea-Stil schallte durch die Schule. Aber nicht die deutsche Hymne war es, sondern die französische Marsellaise, die die Schüler als Überraschung auf den deutsch-französischen und Europa-Tag einstimmte.
Die europäische Flagge war schon gehisst, die deutsche Fahne und die Trikolore folgten unter den Klängen der Nationalhymnen, bevor die Schüler schwarze, rote, goldene, blaue, weiße und rote Luftballons als Zeichen für die Nationalfarben in den Himmel steigen ließen. Viele Jacken zierten Anstecker in den Nationalfarben zu Ehren des Tages, an dem 1963 der Elysée-Vertrag unterzeichnet wurde.
„Die Menschen, die in Deutschland wegen der EU Arbeitsplätze verlieren, sind eine Minderheit“
Michael Roth (SPD)
Der Vertrag sei einer der Grundbausteine der Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland, erklärte Manfred Brill, Stufenleiter der neunten und zehnten Klassen. Der deutsch-französische Tag solle dazu genutzt werden, sich mit den Beziehungen zwischen den beiden Ländern auseinander zu setzen, für die Sprachen zu werben und über Austausch- und Begegnungsprogramme zu informieren, zählte Brill auf.
<„Vor 50 Jahren haben sich sechs Länder zusammengetan und eine Vision entwickelt, dass ein einiges Europa entsteht“, erklärte Schulleiter Joachim Krüger. Der Motor dieses Vertrags seien Frankreich und Deutschland gewesen. Heute müsse man in Europa auf Solidarität setzen und jeder müsse sich sicher fühlen können.
Es gibt keine Vetternwirtschaft
Für kritische Fragen rund um die Europäische Union standen den Schülern der zehnten bis 13. Klassen Christiane Klahr und Robert Wurzler von der Europäischen Kommission in Brüssel und der Bundestagsabgeordnete Michael Roth (SPD) unter Leitung der Lehrer Reinhard Lorenz und Heiner Löber Rede und Antwort.
Christian wollte wissen, wie man Europa jemandem schmackhaft machen kann, der durch die EU die Arbeitsstelle verloren hat. Klahr sieht es jedoch eher als europäische Errungenschaft, wenn man überall in Europa eine Firma gründen könne. „Es ist zwar für den Einzelnen tragisch“, aber im Gegenzug entstünden in einem anderen Land Arbeitsplätze. „Die Menschen, die in Deutschland wegen der europäischen Union Arbeitsplätze verlieren, sind eine Minderheit“, erklärte Roth. Wichtig für den Erhalt deutscher Arbeitsplätze sei, dass auch die Einwohner anderer europäischer Staaten wie Rumänien und Portugal fähig seien, die teuren deutschen Produkte zu kaufen.
Korruption, Menschen- und Waffenhandel in den neuen EU-Ländern wie Bulgarien und Rumänien versuche die Union durch einen transparenten Einstellungsprozess in den Behörden entgegen zu wirken, erklärte Klahr. So müssten zum Beispiel bulgarische Zollbeamte ihre gesamten Vermögensverhältnisse offen legen.
„Wer kontrolliert die EU?“, fragte Benjamin. Die europäische Kommission werde durch andere Institutionen der EU kontrolliert, antwortete Wurzler. „Da gibt es keine Vetternwirtschaft“, der Aufbau der Organe sei sehr durchsichtig. „Es gibt zwar schwarze Schafe, aber die haben es nicht leicht.“ (/znd)
Von Nicole Demmer
HNA, Dienstag 23.01.2007