Am Dienstag, dem 22.09.2009, bekam die Freiherr-vom-Stein Schule Besuch von der ungarischen Holocaustüberlebenden und Zeitzeugin Blanka Pudler.Sie erzählte uns, dass sie viele Probleme in der Schule hatte, da sie die Sprachen in den Ländern meist nicht beherrschte. Als ihr Vater dann endlich Arbeit gefunden und sie sich eingelebt hat, wird sie, im Alter von 15 Jahren, von den Nationalsozialisten gefangen genommen und mit ihrer Familie nach Auschwitz gebracht. Nach einer fünftägigen Zugfahrt in einem dunklen Wagon, in dem sie nur einen Eimer Trinkwasser und einen Eimer für Fäkalien zur Verfügung hatten, traf sie im KZ in Auschwitz ein.
Direkt am Eingang wurde sie von ihrer Mutter getrennt. An dieser Stelle ihrer Erzählung sprach Frau Pudler mit gebrochener Stimme. Ihre Trauer war so deutlich hörbar, dass viele von uns davon ergriffen wurden. Sie erzählte, dass sie ihre Mutter an diesem Tag zum letzten Mal sah. Einige Tage danach wurde sie, zusammen mit den anderen gefangenen Jugendlichen und Kindern gefragt, ob sie unter 16 sei. Wer unter 16 wäre könnte zu seiner Mutter. Die damals 15- jährige Blanka meldete sich, doch ihr wurde nicht geglaubt.Diese Lüge rettete ihr Leben, denn wie sich herausstellt, haben die Kinder unter 16 ihre Mütter wirklich wieder gesehen… und zwar in einer Gaskammer. Auch Blankas Mutter war dabei. Nun bleibt Blanka nur noch ihre Schwester. Gemeinsam ertragen sie schreckliche Torturen, wie den ganzen Tag in der Hitze stehen bis die verbrannte Haut Blasen wirft oder den Kopf unter Wasser getaucht bekommen bis kurz vorm Ertrinken. Nach mehreren Wochen wird sie, mit ihren Mitgefangenen, in das Munitionslager nach Hirschhagen überstellt. Die dortige Arbeit ist jedoch nur auf den ersten Blick eine Verbesserung. Der Umgang mit den gesundheitsschädlichen, für die Sprengstoffproduktion nötigen chemischen Substanzen macht den Arbeitern zu schaffen und verfärbt Haut und Haare, was ihnen den Spitznamen Kanarienvögel einträgt. Aufgrund ihres Mangels an Schlaf schläft Frau Pudler oft bei der nächtlichen Befüllung der Sprengsätze ein und wacht erst auf, als der kochend heiße Stoff ihr Gesicht verbrennt.
Kurz vor der Rettung durch die Amerikaner wird Blanka mit ihren Kameraden auf einen Todesmarsch geschickt. Dort sterben viele der Menschen, die sie kennen gelernt hat, bis ihre Häscher sich den Amerikanern ergeben.Als sie dort ankommt, erfährt sie, dass auch ihr Vater ums Leben gekommen war und sie nun mit ihrer Schwester allein ist. Zum Glück traf sie auf zwei Bekannte ihrer Familie, die ihr und ihrer Schwester Asyl gewährten. Am Ende ihrer Geschichte stellte sich Blanka Pudler den Fragen des Geschichtskurses und hat auf alle Fragen eine Antwort parat, wie schwer es ihr auch gefallen sein muss. "Ich habe heute noch Alpträume von dieser Zeit" sagt Frau Pudler. Ich denke, dies versteht wohl jeder. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir uns die Geschichte von Blanka Pudler aus erster Hand anhören konnten. Wieviel Mut muss es kosten, sich immer wieder freiwillig mit solch schrecklichen Ereignissen auseinanderzusetzen. Ich hoffe, dass werden wir alle nie wissen, denn das würde bedeuten, dass auch wir in einer solchen Situation wären. Alles in allem war die Geschichte auf jeden Fall das Zuhören wert, denn man kann, wie ich finde, das Entsetzen des Holocausts viel besser verstehen, wenn man es von jemanden hört, der dabei war.
(stellvertretend für den 13 Ge Lk, Tim Wieder)