Praxis in die Köpfe
50 Jahre AG "SchuleWirtschaft" mit deutlichen Worten gefeiert
von Jochen Schneider
Werra Meißner. Begeisterung kann Berge versetzen und wenn selbst ein 85-jähriger in der Lage ist, innerhalb von sechs Monaten fließend chinesisch zu lernen, dann sollten auch die letzten Skeptiker an nordhessischen Schulen begreifen, dass Wirtschaft und Schule untrennbar zusammengehören. Was Prof. Dr. Dr. Gerald Hüther aus den neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung referierte, daraus ergab sich sozusagen die Quintessenz der Feier in den neuen Räumen von K+S. Gastgeber war die Arbeitsgemeinschaft von Unternehmerverbänden mit dem Namen "SchuleWirtschaft". Seit 50 Jahren bemüht sich die AG nun um praxisorientierten Unterricht in allen Schulformen. Nach der 68er-Revolte und als deren Folge ideologisch von grundlegender Kapitalismus-Kritik geprägten Lehrern haben sich Schulen und Wirtschaft inzwischen wieder einigermaßen zusammengerauft. Auch das galt es mit dem Jubiläum zu feiern. Aus Wiesbaden war Kultusministerin Dorothea Henzler angereist, aus Berlin Yvonne Kohlmann von der Bundes-AG "SchuleWirtschaft", aus Heidelberg Prof. Dr. Dr. Hüther und heimische Vertreter der Institutionen, die am Gelingen des Projekts beteiligt sind: Für K+S sprach Dr. Thomas Nöcker vom Vorstand Grußworte und der Vorsitzende der AG "SchuleWirtschaft" für den Bereich Wirtschaft, Dr. Wolfram von Schmieden. Nöcker von K+S schlug die deutlichsten Töne an: Wirtschaft sei in vielen Schulen kaum ein Thema, gar ein Fremdkörper. "Die Schüler wissen nicht, dass eine funktionierende Wirtschaft die Basis für den Wohlstand ist, der durch die Arbeit des Einzelnen getragen wird." Kohlmann sprach von 51 Schulen, die sich am jüngsten Projekt, dem Wettbewerb "Der beste Praktikumsbericht", mit 228 Schülern beteiligten. "Besonders gefreut hat mich, dass auch Schüler von Förderschulen zu den Gewinnern gehören." Hauptaktivität der AG sind jährlich etwa 60 kostenlose Betriebserkundungen mit Lehrern mit bis zu 1.700 Teilnehmern. Ministerin Henzler erwähnte das Projekt OloV, das von der AG "SchuleWirtschaft" initiiert hilft, Ausbildungsplätze zu schaffen und zu besetzen. Und Dr. von Schmieden blickte in die Zukunft: "Wir brauchen eine gemeinsame Kraftanstrengung, um notwendige Schulreformen voran zu bringen. Politik, Schule, Schulträger, Eltern und Wirtschaft sollten sich auf ein gemeinsames Pflichtenheft verständigen."