Freiherr-vom-Stein-Schule

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Gesamtschule mit gym. Oberstufe in Hessisch Lichtenau

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Besuch einer Überlebenden des Holocaust: Blanka Pudler

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Am Mittwoch, dem 28. September 2011, besuchte die Holocaust-Überlebende Blanka Pudler zum wiederholten Male die Freiherr-vom-Stein Schule, um die berührende Geschichte ihrer Kindheit in der Zeit des Nationalsozialismus zu erzählen.

Nachdem sich Blanka Pudler mit ihrer einnehmend freundlichen Art vorgestellt und uns noch einmal herzlich begrüßt hatte, begann sie mit beeindruckend ruhiger Stimme in gutem Deutsch ihre Geschichte zu erzählen. Sie berichtete, wie sie als Tochter eines Schneiders in einer streng gläubigen jüdischen Familie unter ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. Als nächstes erzählte sie uns, dass sie aufgrund der politischen Lage öfters umziehen musste und so in der Schule häufig eine andere Sprache erlernen musste, wobei ihr besonders das kyrillische Alphabet Probleme bereitete.
Danach, mit nicht mehr ganz so ruhiger Stimme, berichtete Frau Pudler, wie sie mit ihrer Familie, nachdem sie eine Zeit lang in einem Ghetto in Leva wohnen musste, im Juni 1944 in einen Viehwaggon gepfercht auf die dreitägige Reise ins KZ Auschwitz-Birkenau geschickt wurde.
Bereits vor dem Betreten des Lagers begann für Frau Pudler der Albtraum, als bei der Selektion am Bahnhof ihre Mutter, als nicht arbeitsfähig eingestuft, in den Tod geschickt wurde. „Ich weiß heute nicht mehr, wie ich diese Zeit in Auschwitz überleben konnte“, sagte sie, nachdem sie uns von den unzähligen Grausamkeiten erzählt hatte, die sie dort erleiden musste.
Bei einer Selektion Ende Juli, so berichtet Frau Pudler, wurde sie zusammen mit anderen, noch arbeitsfähigen, Mädchen ausgewählt, um im KZ-Außenlager Hirschhagen zu arbeiten. Dort wurden Granaten, Minen und andere Geschosse hergestellt. Durch den giftigen Sprengstoff färbten Haut und Haare sich gelb, was den Arbeiterinnen den Spitznamen Kanarienvögel einbrachte. Blanka Pudler erzählte uns auch, dass sie und die anderen Arbeiterinnen (so oft es ging) die Bomben manipulierten, um zu verhindern, dass diese detonieren können. „Auch wenn wir nur wenige Bomben sabotieren konnten, half uns der Gedanke, dass wenigstens diese Bomben keinen Menschen mehr töten konnten“, berichtete Frau Pudler der gespannt lauschenden Menge.
Am 29. März 1945 wurde das Lager nach Leipzig evakuiert. Als die Amerikaner näher kamen, begann ein zweiwöchiger Todesmarsch. Die Überlebenden wurden in Sachsen von den Amerikanern befreit. Nach wochenlanger Quarantäne kehrte Frau Pudler nach Leva zurück. Dort erfuhr sie, dass ihr Vater in Dachau ermordet wurde. Sie wurde mit ihrer Schwester Aranka in einem Heim untergebracht. Später gelangte sie nach Budapest, wo sie noch heute lebt.
Nach ihrem fesselnden Vortrag beantwortete Frau Pudler noch die Fragen der Schülerinnen und Schüler des Orientierungskurses Geschichte 11 und des Jahrgangs 12. Zum Beispiel antwortete sie auf die Frage, ob sie den Deutschen heute noch böse sei, dass sie den Deutschen nicht mehr böse seien könne, da die verantwortliche Generation mittlerweile längst Vergangenheit sei und sie sogar gerne nach Deutschland komme, da sie hier Freunde gefunden habe, die sie gerne besuche.

(Vorlage von Max Eysert)