Freiherr-vom-Stein-Schüler: Ich möchte nicht in Japan sein

Montag, 8.45 Uhr. Stille in der Freiherr-vom-Stein-Schule in Hessisch Lichtenau. Direktor Jürgen Holzhauer hatte zur Gedenkminute für Japan aufgerufen.
„Die Schüler haben die Minute gut angenommen, waren sehr ruhig“, sagt er. Das verheerende Erdbeben vor der Küste Japans, das am Freitag einen Tsunami auslöste und für massive Probleme in drei Atomkraftwerken sorgte, hat auch unter den Schülern große Betroffenheit ausgelöst.
Marvin B. aus der neunten Klasse macht sich aber keine Sorgen: „Ich glaube nicht, dass wir in Deutschland was von der Strahlung abbekommen“, sagt er. Dennoch, in Japan wolle er derzeit nicht sein. Eine Internetbekanntschaft von ihm lebe in direkter Nachbarschaft von dem betroffenen Atomkraftwerk und habe derzeit alle Internetaktivitäten eingestellt. „Der will jetzt erst einmal sein Leben wieder auf die Reihe bekommen“, sagt Marvin. Zudem glaube er, dass ein hochtechnisiertes Land wie Japan auf Atomenergie angewiesen sei.
Sorge um eine akute Gefährdung durch deutsche Atomkraftwerke machen sich die Schüler nicht. „Unsere Kraftwerke sind sicher“, sagt Marvin F., der ebenfalls die neunte Klasse besucht. Zusammen mit seinen Klassenkameraden ist er der Meinung, dass man auch bei uns noch auf Stromgewinnung aus Atomkraft angewiesen sei.
„Ich glaube Solarzellen reichen noch nicht aus, um den Bedarf zu decken“, sagt Klassenkameradin Alisa. Sie wünscht sich aber, dass die Atomkraftwerke sobald wie möglich alle vom Netz genommen werden. „Die Japaner sollen jetzt keine Früchte aus dem Garten mehr essen und kein Grundwasser trinken“, sagt sie. Dass dies in Deutschland nach Tschernobyl auch so war, ist für die 15-Jährigen heute ein nicht mehr greifbarer Teil der Geschichte.
(HNA Witzenhausen, 14.03.2011, von Diana Rissmann)