Freiherr-vom-Stein-Schule

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Gesamtschule mit gym. Oberstufe in Hessisch Lichtenau

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Referentin im Rahmen des jüdisch-christlichen Dialogs zu Gast an der FvSS

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"Auf dem Weg der guten Taten sein...": So apostrophierte die Referentin Dr. Ruth Röcher den Hintergrund des jüdisch-christlichen Gebots: Du sollst kein falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

Dr. Röcher, die 1954 in Israel geboren wurde und seit 1976 in Deutschland lebt, ist die langjährige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chemnitz. Sie arbeitet ferner als Religionspädagogin in Sachsen und promovierte zum Thema der jüdischen Schule im nationalsozialistischen Deutschland 1933-42. Frau Jessen, die lange Jahre an der Freiherr-vom-Stein-Schule arbeitete, stellte den Kontakt her. Im Rahmen der 23. jüdischen Bibelwoche hatten die SchülerInnen der Qualifikationsphase 1 der Schule das Glück, die Referentin zum Thema "Kann denn Klatsch verwerflich sein?" zu hören. Nach einer allgemeinen Einführung der Religionspädagogin zur Tora (schriftliche Quelle) und zum Talmud (mündliche Quelle) und zu den 613 Geboten der Mizwa, die die Juden beachten sollten (wobei die Hälfte dieser Gebote sich auf den Tempelgottesdienst in Jerusalem beziehen und daher heute die meisten Menschen nicht betreffen), erläuterte sie die typisch jüdische Auslegungsform der Gebote, die dann im Laufe der Jahrhunderte jüdischer Geschichte von gelehrten Rabbinern stets auf`s Neue ausgelegt und interpretiert und in einen aktuellen Kontext gestellt wurden.

Als zentrale Qualifikationen eines jeden Schülers stellte sie die Fähigkeit zuzuhören und Fragen zu stellen heraus. Aufgabe der Lehrperson sei es hingegen, wichtige Dinge stets mehrfach zu wiederholen, damit sie sich auch wirklich einprägen.

Dr.Röcher führte aus, dass das Gebot, das das schlecht über einander Reden verbietet, im Judentum sogar so wichtig genommen wurde, dass es auf eine Stufe mit Mord oder anderen Verbrechen gestellt wird. Natürlich gäbe es heutzutage auch die Phänomene von internet-mobbing in Israel und anderswo in jüdischen Gemeinden, aber sowohl die Tradition als auch die Tora stellten sich entschieden gegen dieses "über einander Herziehen". Sogar Miriam, die Schwester von Mose, wurde mit einer gut sichtbaren Hautkrankheit gestraft, als sie schlecht über Mose und dessen schwarze Ehefrau redete.

Zur Frage der Vergebung Gottes (tschuwa) nach schlimmen Taten stellte die Gelehrte heraus, dass dies das aufrichtige Bereuen des Täters voraussetze und dass er den Geschädigten um "Ent-Schuldigung" bitten müsse. Einer der höchsten jüdischen Feiertage (Jom Kippur) diene dem Zweck eine solche Versöhnung im gesamten Volk herzustellen. Im Anschluss hatten die SchülerInnen die Gelegenheit allgemeine Fragen zum Judentum an Frau Dr. Röcher zu stellen, wovon auch reger Gebrauch gemacht wurde. Wie so oft wurde dann die Zeit doch zu kanpp und so hoffen wir, dass eine ähnlich interessante Referentin uns auch nächstes Jahr beehrt. Unser Dank gilt neben Frau Dr. Röcher auch Frau Jessen, die uns diese besonderen Kontakte durch ihr persönliches Engagement ermöglicht.