Freiherr-vom-Stein-Schule

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Gesamtschule mit gym. Oberstufe in Hessisch Lichtenau

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Boxenstopp - Das neue Smartphone-Konzept der FvSS

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Ab dem Jahrgang 7 besitzen die allermeisten Schüler ein eigenes Smartphone und bringen es auch mit in die Schule. Die Geräte sind inzwischen viel mehr Mini-Computer als Telefon und können mit verschiedensten Apps viele spannende Sachen. Aber sie bringen nicht nur Positives mit sich, sondern oft auch Probleme, zu Hause und in der Schule.

So manche Familie weiß von Streitigkeiten über das Smartphone zu berichten: Ab wann darf ein Kind ein eigenes besitzen? Welche Apps dürfen drauf? Bis wieviel Uhr am Abend darf man es benutzen? Und dann noch dieses Whatsapp!

Auch in Schulen zeigt sich das Problem, dass Schüler mit zunehmenden Alter immer öfter heimlich unter dem Tisch auf den Geräten herumdrücken. War das vor einigen Jahren noch eher die Ausnahme, weil nicht viele Schüler ein Gerät hatten, sieht das heute ganz anders aus. Fast keine Unterrichtsstunde, in der niemand damit auffällt. Je höher die Jahrgangsstufe, desto schlimmer. Der Unterricht wird massiv gestört, die Konzentration der Schüler geht verloren, der Lernerfolg gefährdet (oder zumindest gemindert), wie zahlreiche Untersuchungen und unsere eigenen Erfahrungen bestätigen.
Die Schüler zeigen bei Diskussionen darüber durchaus Einsicht, am Verhalten ändert das jedoch wenig, die Anziehungskraft des Gerätes in der Hosen- oder Schultasche scheint einfach zu groß.

Fast alle Schulen reagieren darauf mit einem absoluten Smartphone-Verbot. Logisch, denn die Aufgabe der Schule ist natürlich, den Unterricht zu schützen. Auch wir an der Freiherr-vom-Stein-Schule arbeiteten in den letzten Jahren mit diesem Verbot. Doch funktioniert hat es nicht gut, die Störungen blieben. Anderen Schulen geht es genauso, eine neue, bessere Lösung musste her.

In einer Arbeitsgruppe entwickelten wir unter Einbeziehung der Schülervertretung und der Eltern ein neues Smartphone-Konzept: Boxenstopp.

Die Anforderungen waren klar: Der Unterricht und die Konzentration der Schüler muss geschützt werden, um den bestmöglichen Lernerfolg zu erzielen. Eine klare Regelung soll es sein, die einfach zu verstehen und zu handhaben ist. Und die neuen technischen Möglichkeiten durch die Mini-Computer in der Hand der Schüler zur Verbesserung des Unterrichts nutzen zu können, das wäre toll.

Bald war es fertig, das Konzept Boxenstopp.

Die Hauptidee: Die Geräte müssen weg vom Schüler für die Zeit des Unterrichts!

Dafür sind bei uns in allen Klassen Hängetaschen (auf Denglisch Organizer) aufgehängt, in die die Schüler ihre Smartphones beim Betreten des Klassenraumes hineinstecken. Dort sind sie sicher vor Beschädigungen und unter der Aufsicht aller gut aufbewahrt. Der Lehrer weist bei Bedarf die Benutzung für den Unterricht an.
Am Stundenende nehmen die Schüler die Geräte wieder an sich und in der nächsten Stunde, im nächsten Raum, macht man es wieder genauso.

Um zu testen, ob Boxenstopp funktionieren kann, haben wir im letzten Schuljahr einen einmonatigen Test im gesamten Jahrgang 8 durchgeführt und ausgewertet. Die Erfahrungen waren sehr positiv. Sowohl Schüler als auch Lehrer bestätigten in einem differenzierten Fragebogen den Erfolg des Konzepts.

Wir finden außerdem: Ein generelles Smartphone-Verbot ist nicht mehr zeitgemäß. Deswegen gehören zum neuen Konzept auch neue Freiheiten. Wir schützen den Unterricht durch die Abgabe der Geräte. Dafür geben wir sie an anderer Stelle frei. Im Mittelstufengebäude erlauben wir die Benutzung der Geräte in der Mittagspause, außer in der Mensa. Im Oberstufengebäude dürfen unsere Oberstufenschüler ab jetzt die Geräte generell in Freistunden benutzen, wenn dadurch der Unterricht anderer nicht gestört wird. Auf dem Außengelände bleibt die Benutzung wie bisher verboten. Wir wollen keine Schüler, die auf ihre Smartphones starrend über den Schulhof stolpern.

Am Dienstag, dem 13.September fiel der Startschuss, Boxenstopp gilt. Wir sind überzeugt, dass wir damit eine zeitgemäße Regelung gefunden haben, die den Unterricht und die Konzentration unserer Schüler schützt, die Leistungen dadurch verbessert und außerdem mit neuen Freiheiten den gesellschaftlichen Veränderungen gerecht wird und die neuen Möglichkeiten ernst nimmt.
Boxenstopp passt darüber hinaus bestens zu unserem Medienschwerpunkt, der im Rahmen des seit zwei Jahren laufenden Medienfaches CoMeT (Computer- und Medientraining) den Umgang mit PCs, Textverarbeitungsprogrammen, Präsentationssoftware, Internetrecherche, sozialen Medien, Smartphones im Unterricht und vieles mehr schult.

E.Meyfarth