Freiherr-vom-Stein-Schule

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Gesamtschule mit gym. Oberstufe in Hessisch Lichtenau

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Rabbiner zu Gast an der FvSS

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Seit vielen Jahren hat die FvSS das Glück, im Rahmen der jüdischen Bibelwoche, die in Kooperation mit dem Evangelischen Arbeitskreises „Christen und Juden“ jedes Jahr stattfindet, einen jüdischen Geistlichen zu einem Vortrag begrüßen zu dürfen. Die Verbindung verdanken wir der engagierten Hilfe unserer ehemaligen Kollegin Frau Jessen, die sehr aktiv im Arbeitskreis tätig ist.

Am Montag hielt der Rabbiner Jehoschua Ahrens vor den Schülerinnen und Schülern der Q1 einen Vortrag über das Verhältnis König Davids zu seinen Frauen. Dabei wurde deutlich, dass König David in der Tora/dem Alten Testament zwar eine außerordentlich wichtig Person war, dieser aber auch seine dunklen Seiten hatte, was Herr Ahrens am Verhalten Davids gegenüber seiner ersten Frau Michal, aber auch zu Bathseba verdeutlichte.

Der Werdegang des Rabbiners vom Manager in internationalen Firmen zum orthodoxen Rabbiner in Darmstadt interessierte die anwesenden SchülerInnen jedoch fast mehr: Viele Fragen drehten sich um seine persönlichen Beweggründe zum Rabbiner umzusatteln und zu Fragen zum Judentum allgemein:
Die jüdische Lebenspraxis beschäftigte die Jugendlichen ebenso wie die jüdischen Speisevorschriften (Kaschrut), die Feiertage (teilweise ähnlich wie die christlichen), die Situation der jüdischen Frauen in der modernen Gesellschaft, die Frage der Sündenvergebung im Judentum, die Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Judentum und der muslimisch-jüdische Dialog, der nach Einschätzung von Rabbiner Ahrens auf einem guten Weg sei:
Er selbst werde in Moscheen und muslimische Gemeinden zu Vorträgen eingeladen und es zeige sich, dass Juden und Moslems viele Gemeinsamkeiten hätten (Speisevorschriften, Beschneidung der männlichen Kinder, Übereinstimmungen in den heiligen Schriften, etc.)

Auch nannte der Geistliche einige Zahlen, z.B. zur Anzahl der in Deutschland lebenden Juden. Es seien zwischen 100 000 und 200 000 Menschen, was angesichts von 82 Millionen Bundesbürgern eine kleine Minderheit sei. Von dieser Minderheit lebe aber nur ein Prozent wirklich streng nach den jüdischen Regeln. Die meisten Juden hätten sich in Teilen an die Mehrheitsgesellschaft angepasst, würden nur ein Teil der Gebote umsetzen oder wisse zum Teil auch nicht sehr viel über die Gebote. Darin unterscheidet sich der jüdische Bevölkerungsteil nicht von der Mehrheitsgesellschaft.

Dass 90 Minuten sehr knapp sind, um die vielen Fragen auch nur annähernd erschöpfend zu behandeln, zeigte sich gegen Ende der Doppelstunde als sich kleine Grüppchen bildeten, die gerne noch weiter mit Rabbiner Ahrens gesprochen hätten. Wir hoffen, dass wir auch im nächsten Jahr wieder einen interessanten jüdischen Geistlichen kennenlernen dürfen.

Text und Fotos: C.Seiler