Freiherr-vom-Stein-Schule

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Gesamtschule mit gym. Oberstufe in Hessisch Lichtenau

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Lesung von Dr. Vaupel und den Lesescouts über Blanka Pudler

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Am Freitagabend, den 25.5. um 19 Uhr gab es in der Aula der FvSS eine Lesung von Dr. Dieter Vaupel zur Vorstellung seines neuen Buches über Blanka Pudler, die als 15jähriges Mädchen in der Munitionsfabrik in Hirschhagen zusammen mit 999 anderen jüdischen Zwangsarbeiterinnen in der Sprengstoffabfüllung arbeiten musste.

Unser Schulleiter Herr Wieders begrüßte die Gäste und erläuterte den Ablauf des Abends. Der Bürgermeister von Hess.Lichtenau, Herr Heußner, der selbst Schüler an der FvSS gewesen ist und nicht im Alltag, sondern im Unterricht erstmals über die düstere Seite der Geschichte des Ortes mit seiner Munitionsfabrik und den vielen ZwangsarbeiterInnen gehört hatte, betonte, dass sich seither vieles verändert habe. Die Stadt habe sich ihrer Geschichte gestellt und man habe erkannt, welche Mechanismen zur bösen Tat geführt haben. Daher befürworte er mit voller Überzeugung die geplante Menschenkette, die ein Zeichen sein solle, dass man gelernt und verstanden habe und nie wieder zusehen wolle, wenn Unrecht geschehe an Minderheiten oder Schwächeren. Auch die Stadtverordnetenversammlung habe sich für eine Unterstützung der Aktion Menschenkette ausgesprochen. In diesem Zusammenhang rief auch Herr Heußner zur Unterstützung der Menschenkette durch zahlreiche Teilnahme der Bewohner auf.

Dr. Vaupel begann seine Lesung mit einer Einführung zu seiner Arbeit an dem Thema, das maßgeblich von den Fragen seiner Schüler und Schülerinnen an der FvSS, wo er damals Lehrer war, ausgelöst wurde.

An diesem Abend unterstützten ihn zwei unserer Lesescouts, nämlich Anna Hardt und Sina Konrad, die ausgewählte Passagen aus dem Buch „ Auf einem fremden und unbewohnbaren Planeten“ vorlasen und die dies so einfühlsam taten, dass einem die im Buch beschriebenen Nöte und Sorgen, aber auch die Herzlichkeit des Mädchens und der späteren Erwachsenen Blanka Pudler sehr deutlich und gegenwärtig wurden.

Das Klavierspiel von Timo Lübeck rahmte die Lesung und gewährte immer wieder den passenden musikalischen Rahmen zum Lufthohlen, Sacken lassen und Verarbeiten des Gehörten. Und das war keine leichte Kost, die die Zuhörerinnen und Zuhörer, Schüler, Eltern und weitere Besucher geboten bekamen:

Herr Dr. Vaupel berichtete über die Kindheit und Jugend Blankas, die das jüngste von vier Kindern war, das in ärmlichen Verhältnissen aufwuchs. Zu ihrer Schwester Aranka hatte sie ein besonders enges Verhältnis und es sollte auch ihre Rettung sein, dass sie zusammen mit ihr erst das KZ Auschwitz überstand und dann gemeinsam mit ihr nach Hess. Lichtenau zum Arbeiten abkommandiert wurde.

Dr. Vaupel kannte Frau Pudler sehr gut, hatte oft mit ihr geredet und viele gemeinsame Auftritte mit ihr an nordhessischen Schulen, besonders aber in Hess. Lichtenau durchgeführt: „Ich fühle mich verpflichtet, diese Arbeit zu tun und den heutigen Menschen zu berichten, damit sie aus der grausamen Vergangenheit lernen und eine bessere Zukunft aufbauen.“

Dies war die Motivation von Frau Pudler, sich der eigenen schrecklichen Vergangenheit, der Unmenschlichkeit, der ihr und den Mithäftlingen begegnet war und den Orten ihrer Qual zu stellen.

Abwechselnd erzählte Herr Vaupel von den furchtbaren Lebensbedingungen und der sadistischen Behandlung der Mädchen in Hess. Lichtenau und dann gab es wieder vorgelesene Passagen aus dem Buch durch Anna und Sina, die ein Schlaglicht auf die Gefühle und die Bedürfnisse der jugendlichen Gefangenen warfen.

Die Härte der zu leistenden körperlichen Arbeit wurde auch anhand einer durch die Reihen gereichten Bombe verdeutlicht, die erahnen ließ, was es für die geschwächten Mädchen und Frauen bedeutet haben musste, diese zu heben oder mit TNT zu befüllen, wobei hinzu kam, dass diese Arbeit ohne Schutzkleidung ausgeführt werden musste und lebensgefährlich war.

Nach der Lesung bot sich noch die Gelegenheit , die Lesescouts nach ihren Gefühlen bei der Lektüre des Buches und den Autor und Historiker Dr.Vaupel zu historischen Zusammenhängen und dem Leben Blanka Pudlers zu befragen.

Beeindruckend war für viele HörerInnen, dass es Frau Pudler gelang, keinen Hass gegen „die Deutschen“ oder die „Hessisch Lichtenauer“ , die sie so unmenschlich behandelt hatten, zu entwickeln: „Ich will vor Hass auf Minderheiten warnen; ich will verhindern, dass so etwas wie Auschwitz noch einmal passiert.“

Mit diesem Zitat spricht sie auch den InitatorInnen der Aktion Menschenkette aus vollem Herzen.

Lobend erwähnt werden müssen auch noch Maximilian und Florian von der Technik AG, die für einen reibungslosen Verlauf, gute Hörbarkeit und passendes Licht sorgten.

Der Abend wurde finanziell unterstützt von der Kulturförderung der Sparkasse.

Text und Fotos: C.Seiler