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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Das Leben des Tacitus
Zeitlicher Überblick
Tacitus Quellen
Tacitus Werke
Sprache und Stil
Wirkung der Werke
Nachwort
Anhang

4.2  Die Wirkung der Tacituswerke

 

4.2.1  In der Antike

 

Tacitus stand bei seinen Zeitgenossen in sehr hohem Ansehen, was besonders die Briefe Plinius des Jüngeren beweisen. Doch einige Jahrzehnte später gerieten die Tacituswerke langsam in Vergessenheit und wurden seltener gelesen, was man damit zu erklären versucht, daß man damit begann, verstärkt Geschichtswerke im biographischen Stil zu lesen und zu verfassen, ein weiterer Grund dürfte wohl auch in der (Zitat 10:) "... schwierigen und ungewöhnlichen Sprache des Tacitus ..." gelegen haben.
Im 4. Jahrhundert fand sich in dem gebürtigen Griechen Ammianus Marcellinus ein Nachfolger, dessen Geschichtswerk an die Historien anschloß, seinen Schwerpunkt aber in der Geschichte des 4. Jahrhunderts bis 378 hatte. Die meisten anderen antiken Schriftsteller, die Tacitus benutzten oder beschimpften, waren Christen. Zum Beispiel kritisiert Tertullian in seinem Apologeticum (197 n. Chr.) Tacitus wegen dessen Angriff gegen die Juden, die die frühen Christen auch auf sich bezogen, aus dem Historien – Band 5. (Zitat 10:) "Mehrere fast wörtliche Tacitus-Zitate finden sich in den Chronica des Sulpicius Severus (um 400 n. Chr.), v. a. aus dem Bericht vom Brand Roms und dem Christenkapitel. Relativ oft herangezogen wurde Tacitus von dem Augustinus-Schüler Orosius (5. Jhdt.) in seiner Historia adversus paganos, der ersten christlichen Universalgeschichte."

 

4.2.2   In Mittelalter und Renaissance

 

Vom 6. bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts waren die Tacituswerke fast vollständig verschollen. Nur im Kloster Fulda läßt sich die Benutzung der Tacitus – Texte beweisen. Hier zitierte Rudolf von Fulda 851 längere Textstellen aus den Kapiteln 9-11 der Germania.
Erst ab dem 14. Jahrhundert kann man wieder Spuren von Tacitus erkennen. Nach der Wiederentdeckung des Mediceus II, zitierte Giovanni Boccaccio Teile der Annalen 13,14 und 15. Im 15. Jahrhundert werden die Tacitus – Werke zwar häufig kopiert, aber selten gelesen, weil sie nicht ihrem sprachlichen Idealbild (damals bevorzugte man den Sprachstil von Cicero) entsprachen. Besonderes Interesse zog hauptsächlich die Germania auf sich. 1457 benutzte Enea Silvio Piccolomini sie, um in einem Streit mit deutschen Bischöfen zu zeigen, was sich nach der Christianisierung mit Hilfe der Kirche in Deutschland verändert hatte. Enea versucht, (Zitat 12:) "aus der taciteischen Schrift ein negatives Bild des alten Germanien zu gewinnen, versucht sein ehemaliger Sekretär Giovanni Antonio Campano am ‘Regensburger Christentag‘ von 1471 das Gegenteil: Die Germania muß zur Illustration der wirtschaftlichen und militärischen Stärke Deutschlands dienen – womit die deutschen Fürsten zur Teilname am Kampf gegen die Türken gewonnen werden sollen. ... Ein Autor, den der taciteische Tiberius fasziniert haben müßte, ist Niccolò Machiavelli (1469-1527), der in seinem Principe von 1513 einen Fürsten postuliert, der Italien von fremden Machthabern befreien und einigen soll – gleichgültig mit welchen Mitteln." Allerdings konnte Machiavelli die Tiberius - Bücher der Annalen 1513 noch nicht kennen, weshalb er Tacitus im Principe nicht verwenden konnte. Trotzdem redete man auf dem Konzil von Trient, wo der Principe 1557 verboten wurde, häufig von Tacitus, obwohl man Machiavelli meinte.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts setzte sich eine andere Auffassung, die aus Italien stammte, durch: Einige Politiker sahen speziell in den Tiberius – Büchern Beispiele und Vorbilder für richtiges Verhalten, und zwar im Sinne der absoluten Monarchie. Zu den wichtigsten Vertretern dieser Betrachtungsweise, dem sogenannten Tacitismus, gehörten neben Machiavelli auch der niederländische Gelehrte Justus Lipsius (1547-1606) und der Franzose Michel de Montaigne (1533-92). Um 1700 ging der eigentliche Tacitismus zu Ende.

 

4.2.3  Im 19. und 20. Jahrhundert

 

Den letzten Höhepunkt der "politischen Tacitus – Rezeptionen" gab es im frühen 19. Jahrhundert, z.B. durch die stark negative Haltung, mit der ihn Napoleon bedachte. Zitat 12: "Er erklärte Tacitus zum Verleumder der Monarchie: Er mache aus allen Herrschern Verbrecher, um selbst als das Genie zu erscheinen, das sie durchschaut habe." Am Anfang des 19. Jahrhunderts begannen auch einige Historiker, wie z.B. Leopold von Ranke und Theodor Mommsen, Tacitus Ungenauigkeiten nachzuweisen und waren nur bereit, Tacitus als Dichter anzuerkennen.
Zur gleichen Zeit begann in Deutschland die zweite Phase der "Germania-Rezeption", eine Phase der intensiven Germanen – Verherrlichung. (Zitat 12:) "Sie begann mit Johann Gottlieb Fichtes Rede an die deutsche Nation (1807/8), wurde durch die Rassenlehre Joseph Arthur Gobineaus und Friedrich Nietzsches Lehre vom Herrenmenschen gefördert und erreichte in der Zeit zwischen dem Ersten Weltkrieg und 1945 ihren Höhepunkt." Man glaubte in Tacitus Germania die Identität von Germanen und Deutschen wieder entdeckt zu haben und schwärmte von einem "unveränderlichen deutschen Nationalcharakter": "Ernst, Treue, Einfachheit und Freiheitsliebe." Als letzte Konsequenz mußte die Germania (Zitat 12:) "auch noch Argumente für die Rechtfertigung der ‘Rassen- und Erbgesundheitspflege‘ des Dritten Reiches liefern, mit der aus den Lehren der ‘Rassentheorie‘ grauenhafte Konsequenzen gezogen wurden."

TACITUS - sine ira et studio
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