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Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Das Leben des Tacitus
Zeitlicher Überblick
Tacitus Quellen
Tacitus Werke
Sprache und Stil
Wirkung der Werke
Nachwort
Anhang

5  Nachwort

            Aktualität in unserer Zeit

 

Für die römischen Historiker ist es typisch, daß ihre konservative Gebundenheit an die altrömischen politischen Ideale und Sitten zu bitterer Kritik an Menschen und Zuständen der eigenen Zeit führt. Tacitus ist dafür ein gutes Beispiel. Er schildert die Kaiserzeit seit dem Tode des Augustus in seinen "Annalen" und "Historien" in einer so grundsätzlich negativen, ablehnenden Haltung, wie sie zuvor zwar für die politische Geschichtsschreibung bis dahin ungewöhnlich war, nicht aber für seine römischen Leser, die sich in der neuen Zeit nicht zurechtfanden. Golo Mann schreibt dazu (Zitat 13): "Die Welt, Hauptstadt und Imperium, erscheinen ihm als ein Theater, meistens ein absurdes." Tacitus schildert die politisch maßgebenden Personen als abschreckende Beispiele. Dagegen stellt er im Agricola dar, daß auch große Männer unter ‚bösen Fürsten‘ leben können, zwar bescheiden, aber doch arbeitsam und kraftvoll.
Gerade in diesem Jahrhundert sind Tacitus' Geschichtswerke von neuem aktuell geworden. Tacitus, der erkannte, daß es gefährlich ist, wenn zu viel Macht in den Händen von wenigen Menschen konzentriert ist, wurde zu einem neuen Vorbild. Er war kein Demokrat, der sich das politische System der Republik zurückwünschte. Den Wirren der Bürgerkriege am Ende der Republik zog er die Monarchie vor, was ihn aber nicht daran hinderte, im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen (gemeint sind antike Historiker), auf die Gefahren der Monarchie hinzuweisen. Eine stabile Demokratie, wie wir sie heute kennen, hätte sicher am ehesten dem Verständnis des Tacitus von einem Staat entsprochen, in dem die Menschen in Freiheit und Würde miteinander leben können.

Hessisch Lichtenau, den 2.Mai.1998

Frederik Geier

TACITUS - sine ira et studio
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