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Nachwort
Aktualität in unserer Zeit
Für die römischen Historiker ist es typisch, daß ihre konservative
Gebundenheit an die altrömischen politischen Ideale und Sitten zu bitterer Kritik an
Menschen und Zuständen der eigenen Zeit führt. Tacitus ist dafür ein gutes Beispiel. Er
schildert die Kaiserzeit seit dem Tode des Augustus in seinen "Annalen" und
"Historien" in einer so grundsätzlich negativen, ablehnenden Haltung, wie sie zuvor
zwar für die politische Geschichtsschreibung bis dahin ungewöhnlich war, nicht aber für
seine römischen Leser, die sich in der neuen Zeit nicht zurechtfanden. Golo Mann schreibt
dazu (Zitat 13): "Die Welt, Hauptstadt und
Imperium, erscheinen ihm als ein Theater, meistens ein absurdes." Tacitus schildert
die politisch maßgebenden Personen als abschreckende Beispiele. Dagegen stellt er im
Agricola dar, daß
auch große Männer unter bösen Fürsten leben können, zwar bescheiden, aber
doch arbeitsam und kraftvoll.
Gerade in diesem Jahrhundert sind Tacitus' Geschichtswerke von neuem aktuell geworden.
Tacitus, der erkannte, daß es gefährlich ist, wenn zu viel Macht in den Händen von
wenigen Menschen konzentriert ist, wurde zu einem neuen Vorbild. Er war kein Demokrat, der
sich das politische System der Republik zurückwünschte. Den Wirren der Bürgerkriege am
Ende der Republik zog er die Monarchie vor, was ihn aber nicht daran hinderte, im
Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen (gemeint sind antike Historiker), auf die
Gefahren der Monarchie hinzuweisen. Eine stabile Demokratie, wie wir sie heute kennen,
hätte sicher am ehesten dem Verständnis des Tacitus von einem Staat entsprochen, in dem
die Menschen in Freiheit und Würde miteinander leben können.
Hessisch Lichtenau, den
2.Mai.1998 |
Frederik Geier |
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