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7.5
Biographien von wichtigen Personen
Boccaccio, Giovanni (1313-1375), italienischer Dichter und Humanist,
geboren wahrscheinlich in Florenz, gestorben in Certaldo.
Boccaccio war der uneheliche Sohn eines Florentiner Kaufmanns und einer
französischen Adeligen. Er wuchs in Florenz auf. Etwa 1327 begann er eine kaufmännische
Ausbildung in Neapel, die er jedoch wieder aufgab, um Rechtswissenschaften und klassische
Sprachen zu studieren. Boccaccio hielt sich häufig am Hofe Roberts dAnjou auf, des
Königs von Neapel. Dieser hatte angeblich eine uneheliche Tochter, Maria de Conti
dAquino. Zwar ist ihre Existenz nicht definitiv belegt, doch vermutet man, daß sie
Boccaccios Geliebte war und ihn zu vielen seiner Werke inspirierte. Möglicherweise war
sie das Vorbild für die Fiammetta in seinen Schriften.
Nach seiner
Rückkehr nach Florenz im Jahr 1340 war Boccaccio dort in verschiedenen diplomatischen
Funktionen tätig, bevor er 1350 den berühmten Dichter und Humanisten Petrarca
kennenlernte, mit dem ihn bis zu dessen Tod 1374 eine enge Freundschaft verband. 1362
reiste Boccaccio nach Neapel, weil ein dort ansässiger Freund ihm seine
Vermittlungsdienste bei dem Vorhaben, Königin Joanna von Neapel als Mäzenin zu gewinnen,
zugesagt hatte. Nachdem dies fehlgeschlagen war, wandte sich Boccaccio an Petrarca, der
sich zu jener Zeit (1363) in Venedig aufhielt. Petrarcas Anerbieten, ihn aufzunehmen,
lehnte er jedoch ab und kehrte auf seinen Landsitz in Certaldo bei Florenz zurück.
Während seiner letzten Lebensjahre suchte Boccaccio Zuspruch in Religion und Meditation.
Zwei Jahre vor seinem Tod (1373) wurde ihm ein Lehramt an der Florentiner Universität
angeboten. Seine Vorlesungen zu Dantes Göttlicher Komödie mußte er jedoch 1374
aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands aufgeben; im darauffolgenden Jahr starb er.
Sein wichtigstes Werk
Il Decamerone schrieb Boccaccio zwischen 1348 und 1353; gedruckt
wurde es 1470 und erschien erstmals 1472/73 unter dem Titel Decamerone in deutscher
Sprache. Das Werk ist eine Sammlung von 100 geistreichen, lebhaft erzählten Novellen, die
in eine gemeinsame Rahmenhandlung eingebettet sind: Sieben Frauen und drei Männer
verbringen gemeinsam zehn Tage auf einem Landgut in der Nähe von Florenz, während in der
Stadt die Pest wütet. Sie vertreiben sich die Zeit, indem sie einander reihum Geschichten
erzählen. Den Abschluß eines jeden Tages bildet eine von einem der Erzähler
vorgetragene Kanzone, ein Lied in Gedichtform. Vor allem in diesen Liedern offenbart sich
Boccaccios herausragendes Talent als Lyriker. Nachdem die 100. Geschichte erzählt ist, kehrt die Gruppe in die
Stadt zurück. Boccaccios Decamerone gilt als erstes und zugleich bestes
Prosastück der italienischen Renaissanceliteratur. Es zeichnet sich durch die Vielfalt
der sehr unterschiedlichen, bisweilen feierlich-ernsten, bisweilen derb-humorvollen
Novellen aus sowie durch eine meisterliche Komposition und eine treffsichere Darstellung
der Charaktere. Boccaccio nutzte für dieses Werk eine Vielzahl von Quellen: die
französischen Fabliaux, griechische und lateinische Klassiker, Volkssagen, und nicht
zuletzt schöpfte er aus der eigenen Beobachtung seiner Umgebung. Il Decamerone
bricht insofern mit der mittelalterlichen literarischen Tradition, als Boccaccio darin den
Menschen selbst Einfluß auf sein Schicksal nehmen läßt und nicht als abhängig von der
göttlichen Gnade darstellt.
Zu Boccaccios weiteren Schriften gehören drei
Werke, deren Entstehen man dem Einfluß Fiammettas" zuschreibt: Sein erstes
längeres Prosawerk Il filocolo (ca. 1336) und Fiammetta (1343-1344)
erzählen von verschmähten Liebhabern, Il corbaccio o laberinto damore (ca.
1354, Corbaccio oder Das Liebeslabyrinth) ist eine Satire. Boccaccios Versepos Il
filostrato (ca. 1338, Troilus und Kressida) und die epische Dichtung Teseida
(1340-1341, Theseide) sind in Stanzen (auch Ottaverime oder Oktaven genannt)
abgefaßt, einem Versmaß, das Boccaccio meisterlich beherrschte (siehe Verslehre).
Um 1360 schrieb er eine Biographie des von ihm verehrten Dante, Vita di Dante (Das
Leben Dantes), worin er auch dessen Göttliche Komödie abhandelt. Ferner
verfaßte er eine Anzahl gelehrter wissenschaftlicher und poetischer Schriften in
lateinischer Sprache, darunter De Claris Mulieribus (etwa 1360-1374, Über
berühmte Frauen). Boccaccios Werk beeinflußte viele namhafte Literaten und diente
ihnen als Quelle für ihr eigenes Schaffen. Zu ihnen zählen Geoffrey Chaucer, Shakespeare
und John Dryden. So ist beispielsweise der Aufbau von Chaucers Werk Canterbury Tales
(Die Canterbury-Geschichten), das ebenfalls eine Rahmenhandlung aufweist,
Boccaccios Decamerone nachempfunden.
Quelle: Microsoft
Corporation (Hg.): Encarta® 97 Enzyklopädie. Microsoft Corporation, Redmond (Washington)
1993-1996
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