Startseite - Anhang - Biographien wichtiger Personen
[FrontPage Save Results Component]


Agricola
Agrippina die Ältere
Agrippina die Jüngere
Augustus
Boccaccio, Giovanni
Caligula
Cicero, Marcus Tullius
Claudius
Domitian
Fichte, Johann Gottlieb
Gobineau, Joseph 
Machiavelli, Niccolò
Mommsen, Theodor
Napoleon I.
Nero
Nerva
Nietzsche, Friedrich 
Pius II.
Plinius der Jüngere 
Quintilian
Sueton 
Tacitus
Tertullian
Tiberius
Titus
Trajan
Vespasian

7.5  Biographien von wichtigen Personen

 

Boccaccio, Giovanni (1313-1375), italienischer Dichter und Humanist, geboren wahrscheinlich in Florenz, gestorben in Certaldo.

Boccaccio war der uneheliche Sohn eines Florentiner Kaufmanns und einer französischen Adeligen. Er wuchs in Florenz auf. Etwa 1327 begann er eine kaufmännische Ausbildung in Neapel, die er jedoch wieder aufgab, um Rechtswissenschaften und klassische Sprachen zu studieren. Boccaccio hielt sich häufig am Hofe Roberts d’Anjou auf, des Königs von Neapel. Dieser hatte angeblich eine uneheliche Tochter, Maria de Conti d’Aquino. Zwar ist ihre Existenz nicht definitiv belegt, doch vermutet man, daß sie Boccaccios Geliebte war und ihn zu vielen seiner Werke inspirierte. Möglicherweise war sie das Vorbild für die Fiammetta in seinen Schriften.

Nach seiner Rückkehr nach Florenz im Jahr 1340 war Boccaccio dort in verschiedenen diplomatischen Funktionen tätig, bevor er 1350 den berühmten Dichter und Humanisten Petrarca kennenlernte, mit dem ihn bis zu dessen Tod 1374 eine enge Freundschaft verband. 1362 reiste Boccaccio nach Neapel, weil ein dort ansässiger Freund ihm seine Vermittlungsdienste bei dem Vorhaben, Königin Joanna von Neapel als Mäzenin zu gewinnen, zugesagt hatte. Nachdem dies fehlgeschlagen war, wandte sich Boccaccio an Petrarca, der sich zu jener Zeit (1363) in Venedig aufhielt. Petrarcas Anerbieten, ihn aufzunehmen, lehnte er jedoch ab und kehrte auf seinen Landsitz in Certaldo bei Florenz zurück. Während seiner letzten Lebensjahre suchte Boccaccio Zuspruch in Religion und Meditation. Zwei Jahre vor seinem Tod (1373) wurde ihm ein Lehramt an der Florentiner Universität angeboten. Seine Vorlesungen zu Dantes Göttlicher Komödie mußte er jedoch 1374 aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands aufgeben; im darauffolgenden Jahr starb er.

Sein wichtigstes Werk – Il Decamerone – schrieb Boccaccio zwischen 1348 und 1353; gedruckt wurde es 1470 und erschien erstmals 1472/73 unter dem Titel Decamerone in deutscher Sprache. Das Werk ist eine Sammlung von 100 geistreichen, lebhaft erzählten Novellen, die in eine gemeinsame Rahmenhandlung eingebettet sind: Sieben Frauen und drei Männer verbringen gemeinsam zehn Tage auf einem Landgut in der Nähe von Florenz, während in der Stadt die Pest wütet. Sie vertreiben sich die Zeit, indem sie einander reihum Geschichten erzählen. Den Abschluß eines jeden Tages bildet eine von einem der Erzähler vorgetragene Kanzone, ein Lied in Gedichtform. Vor allem in diesen Liedern offenbart sich Boccaccios herausragendes Talent als Lyriker. Nachdem die 100. Geschichte erzählt ist, kehrt die Gruppe in die Stadt zurück. Boccaccios Decamerone gilt als erstes und zugleich bestes Prosastück der italienischen Renaissanceliteratur. Es zeichnet sich durch die Vielfalt der sehr unterschiedlichen, bisweilen feierlich-ernsten, bisweilen derb-humorvollen Novellen aus sowie durch eine meisterliche Komposition und eine treffsichere Darstellung der Charaktere. Boccaccio nutzte für dieses Werk eine Vielzahl von Quellen: die französischen Fabliaux, griechische und lateinische Klassiker, Volkssagen, und nicht zuletzt schöpfte er aus der eigenen Beobachtung seiner Umgebung. Il Decamerone bricht insofern mit der mittelalterlichen literarischen Tradition, als Boccaccio darin den Menschen selbst Einfluß auf sein Schicksal nehmen läßt und nicht als abhängig von der göttlichen Gnade darstellt.

Zu Boccaccios weiteren Schriften gehören drei Werke, deren Entstehen man dem Einfluß „Fiammettas" zuschreibt: Sein erstes längeres Prosawerk Il filocolo (ca. 1336) und Fiammetta (1343-1344) erzählen von verschmähten Liebhabern, Il corbaccio o laberinto d’amore (ca. 1354, Corbaccio oder Das Liebeslabyrinth) ist eine Satire. Boccaccios Versepos Il filostrato (ca. 1338, Troilus und Kressida) und die epische Dichtung Teseida (1340-1341, Theseide) sind in Stanzen (auch Ottaverime oder Oktaven genannt) abgefaßt, einem Versmaß, das Boccaccio meisterlich beherrschte (siehe Verslehre). Um 1360 schrieb er eine Biographie des von ihm verehrten Dante, Vita di Dante (Das Leben Dantes), worin er auch dessen Göttliche Komödie abhandelt. Ferner verfaßte er eine Anzahl gelehrter wissenschaftlicher und poetischer Schriften in lateinischer Sprache, darunter De Claris Mulieribus (etwa 1360-1374, Über berühmte Frauen). Boccaccios Werk beeinflußte viele namhafte Literaten und diente ihnen als Quelle für ihr eigenes Schaffen. Zu ihnen zählen Geoffrey Chaucer, Shakespeare und John Dryden. So ist beispielsweise der Aufbau von Chaucers Werk Canterbury Tales (Die Canterbury-Geschichten), das ebenfalls eine Rahmenhandlung aufweist, Boccaccios Decamerone nachempfunden.

Quelle: Microsoft Corporation (Hg.): Encarta® 97 Enzyklopädie. Microsoft Corporation, Redmond (Washington) 1993-1996

TACITUS - sine ira et studio
Copyright © 1998-2001 by Frederik Geier