Startseite - Anhang - Biographien wichtiger Personen
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7.5  Biographien von wichtigen Personen

 

Fichte, Johann Gottlieb (1762-1814), Philosoph und Erzieher. Er ist neben Kant, Schelling und Hegel einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Idealismus. Fichte wurde am 19. Mai 1762 in Rammenau bei Bischofswerda geboren. Ein Adeliger ermöglichte Fichte, der Sohn eines Webers war und aus armen Verhältnissen stammte, die Ausbildung in Schulpforta und das Theologiestudium. Im Jahr 1790 lernte er die Philosophie Immanuel Kants kennen, die einen großen Einfluß auf ihn ausübte. 1791 besuchte er Königsberg, wo Kant ihm einen Verleger für seine Schrift Versuch einer Kritik aller Offenbarung (1792) verschaffte, die anonym veröffentlicht wurde. Diese wurde zuerst für das religionsphilosophische Werk Immanuel Kants gehalten, das schon lange erwartet worden war. Als Kant dieses Mißverständnis aufdeckte, wurde Fichte auf einen Schlag berühmt und erhielt einen Lehrstuhl für Philosophie in Jena, den er 1794 antrat. 1799 löste eine anonyme Streitschrift den Atheismusstreit aus. Diese Schrift wurde zum Anlaß genommen, den unliebsam gewordenen Denker wegen Verbreitung atheistischer Ideen zum Rücktritt zu zwingen. Nachdem er zurückgetreten war, setzte er jedoch sein Schreiben und Lehren fort und erhielt 1805 den Lehrstuhl für Philosophie in Erlangen. 1810 wurde er der erste Rektor der neugegründeten Universität in Berlin. Während dieser Zeit, in der die Unabhängigkeit der deutschen Staaten von den Expansionsbestrebungen Napoleons bedroht war, wurde Fichte zum Verfechter des deutschen Nationalbewußtseins. Er starb am 27. Januar 1814 in Berlin.

Zu den Werken Fichtes zählen: Über den Begriff der Wissenschaftslehre und der sogenannten Philosophie (1794), Grundlage des Naturrechts nach Prinzipien der Wissenschaftslehre (1796), Das System der Sittenlehre (1798), Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters (1800) und Reden an die deutsche Nation (1808).

Obwohl er die kritische Philosophie Immanuel Kants akzeptiert, verwirft Fichte Kants Theorie von der Unmöglichkeit der Erkenntnis des Dinges an sich sowie die Trennung zwischen theoretischer und praktischer Vernunft. Methodischer Ausgangspunkt und Grundgedanke der Wissenschaftslehre ist das Ich, das sich durch eine urspüngliche Tat selbst setzt und damit gleichzeitig die Objektwelt als seinen Gegenstand und sein Produkt erzeugt. Existenz und Handeln sind damit identisch, und das Erkennen ist ein abgeleiteter Aspekt in diesem ganzheitlichen Prozeß. Dem Ich entgegengesetzt ist das Nicht-Ich. Dies ist der Satz der Negation, denn das Ich schränkt sich durch das Nicht-Ich ein, da es nur durch diese Entgegensetzung des Nicht-Ich sich betätigen und bestätigen kann. Die Beziehung Ich – Nicht-Ich, Subjekt und Objekt, wird von Fichte als eine dialektische Einheit von Gegensätzen aufgefaßt. Diese Beziehung stellt einen Prozeß, ein Tätigsein, dar. Die einzelnen Handlungen des Ich setzen eine grundlegende Form der Welt voraus, die auf menschliches Handeln hin angelegt ist. So läßt sich Fichtes Philosophie auch als ethischer Idealismus bezeichnen. Seine Gedanken übten einen großen Einfluß auf seine Zeitgenossen Schelling und Hegel aus sowie auf P. J. Proudhon, Karl Marx und Ferdinand Lassalle. Seine Interpersonallehre wurde von Max Weber und Jean-Paul Sartre aufgegriffen.

Quelle: Microsoft Corporation (Hg.): Encarta® 97 Enzyklopädie. Microsoft Corporation, Redmond (Washington) 1993-1996

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