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7.5  Biographien von wichtigen Personen

 

Napoleon I. (1769-1821), Kaiser der Franzosen von 1804 bis 1814/1815. Obwohl Napoleon als Alleinherrscher wieder die Monarchie einführte, vollendete er in vielerlei Hinsicht die gesellschaftlichen Reformideen der Französischen Revolution. Ferner war er unbestritten ein militärstrategisches Genie und der größte Feldherr seiner Epoche. Der unter seiner Federführung entstandene Code civil oder Code Napoléon war das erste moderne bürgerliche Gesetzbuch und fand durch seine Eroberungszüge in weiten Teilen Europas Verbreitung.

Napoleon wurde am 15. August 1769 in Ajaccio auf Korsika als Sohn eines einflußreichen Landadligen geboren. 1779 bis 1784 absolvierte er die Militärschulen von Brienne und Paris und trat anschließend als Leutnant in die Artillerie ein.

Im Zuge der Revolution avancierte er 1791 zum Oberstleutnant der Korsischen Nationalgarde. Nach der Unabhängigkeitserklärung Korsikas 1793 brach der französisch erzogene Napoleon mit der Separatistenbewegung und übersiedelte mit seiner Familie auf das französische Festland. Dort wurde er im Hauptmannsrang der Belagerungsarmee vor Toulon zugeteilt, die mit Unterstützung der englischen Flotte gegen die Republik putschte. Durch einen gewitzten Plan des jungen Offiziers glückte die Rückeroberung des Marinestützpunkts. Dieser Coup brachte ihm im Alter von nur 24 Jahren die Beförderung zum Brigadegeneral ein und bildete den Auftakt einer beispiellosen militärischen Karriere. Nach dem Sturz Robespierres 1795 wurde er zwar vorübergehend aus der Armee entlassen, tat sich aber im selben Jahr bei der Niederschlagung des Pariser Royalistenaufstands hervor, indem er in Straßenkämpfen die Pariser „Sektionen" zerstreute. 1796 vermählte er sich mit Joséphine de Beauharnais. Die Heirat mit einer Aristokratin sicherte ihm den Zugang zur herrschenden Gesellschaftsschicht im Umkreis des Direktoriums.

Erste Feldzüge

Im selben Jahr wurde Napoleon zum Befehlshaber der französischen Armee in Italien ernannt und zwang dort nach vier siegreichen Schlachten Österreich und seine Verbündeten zum Friedensschluß von Campoformio, in dem Frankreich der Großteil des eroberten Territoriums zugesprochen wurde. Diese militärischen und politischen Erfolge, nicht zuletzt auch die Kriegsbeute in Höhe von mehreren Millionen Francs, begünstigten Napoleons späteren Aufstieg zur Macht. 1798 leitete er eine Expedition in das unter türkischer Herrschaft stehende Ägypten. Militärisch war sie nur in Teilen erfolgreich (Zerstörung der französischen Flotte durch den englischen Admiral Horatio Nelson, 1799 Sieg über die Türken bei Abukir). Andererseits führte Napoleon in Ägypten ein modernes Verwaltungs- und Rechtssystem ein und förderte den Beginn erster systematischer archäologischer Studien am Nil.

Napoleons Herrschaft als Erster Konsul und Kaiser in Frankreich

Nach seiner Rückkehr gelang Napoleon mit dem Staatsstreich vom 9./10. November 1799 (18.-19. Brumaire) der Sturz des Direktoriums. Er setzte eine neue Konsulatsverfassung ein und sich selber als Ersten Konsul, zunächst auf zehn Jahre (ab 1802 auf Lebenszeit). Dies war gleichbedeutend mit nahezu diktatorischer Regierungsgewalt. Geschickte Diplomatie (Konkordat mit Papst Pius VII, 1801) und weitere Erfolge als Feldherr (Sieg bei Marengo, 1800; Friedensschlüsse von Lunéville und Amiens, 1801/1802) festigten seine Machtposition und seine Popularität, so daß die selbst vorgenommene Erklärung zum Empéreur (Kaiser) 1804 fast durchweg auf den Beifall seiner Landsleute stieß. Damit waren nicht nur die Grenzen Frankreichs (vor allem die Ostgrenze am Rhein) gesichert, sondern zugleich die politische Geographie in Europa stabilisiert, die allerdings in der Folge gerade durch die napoleonischen Feldzüge noch erheblich verändert werden sollte. Innenpolitisch initiierte Napoleon eine Reform von Verwaltung, Justiz und Erziehungswesen. Seine bedeutsamste und folgenreichste Unternehmung war indessen der Entwurf eines neuen bürgerlichen Gesetzbuches, des Code civil, nach seinem Urheber auch Code Napoléon genannt. Es führte gemeinsam mit sechs weiteren Gesetzbüchern zu einer Vereinheitlichung des Rechtswesens und schrieb wichtige Rechtspositionen der Revolution fest, wie die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz und die Religionsfreiheit. In der Praxis waren diese Grundrechte allerdings erheblich eingeschränkt und obrigkeitliche Willkür und drakonische Zensur an der Tagesordnung. Gefürchtet war besonders die Strenge des Polizeiministers Joseph Fouché. Napoleon besetzte die meisten wichtigen Staatsämter mit Mitgliedern seiner Familie und treuen Ergebenen und begründete mit der Ehrenlegion (1802) eine neue Kaste der Nobilität, die sich schnell mit den Repräsentanten des alten Erbadels zu mischen begann und die künftig tonangebende Gesellschaftsschicht bildete.

Außenpolitik und Eroberungskriege

Unter Napoleons Protektorat erfolgte die territoriale Neugliederung Deutschlands (Reichsdeputationshauptschluß 1803), in deren Verlauf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation aufgelöst und der Rheinbund gegründet wurde (1806). Im Jahr zuvor hatten England, Rußland und Österreich eine neue Koalition gebildet. Ursprüngliche Pläne einer Invasion in England gab Napoleon auf und stellte seine Streitkräfte den österreichischen und russischen Truppen entgegen, die er in der Schlacht von Austerlitz am 2. Dezember 1805 vernichtend schlug. 1806 eroberte er das Königreich Neapel und setzte seinen älteren Bruder Joseph als König ein. Außerdem wandelte er die Niederländische Republik in ein Königreich um, das sein Bruder Louis erhielt. Mit dem Sieg über die vereinten Preußen und Russen bei Jena und Auerstedt machte sich Napoleon endgültig zum uneingeschränkten Herren in Mitteleuropa. Nach einem weiteren Sieg über die russische Armee bei Friedland gewann er Zar Alexander I. als Verbündeten, was zu erheblichen Gebietsverlusten für Preußen im Frieden von Tilsit führte. Darüber hinaus verleibte er seinem Kaiserreich neue Territorien ein: das Königreich Westfalen unter der Herrschaft seines Bruders Jérôme, das Herzogtum Warschau und andere mehr.

Frankreich hatte mittlerweile eine Blockade gegen den Export britischer Waren in das restliche Europa, die sogenannte Kontinentalsperre, errichtet, die allerdings wenig Wirksamkeit zeigte. Erfolgreicher verliefen die Unternehmungen auf der iberischen Halbinsel: 1807 geriet Portugal, 1808 Spanien unter französische Herrschaft. Joseph Bonaparte erhielt den spanischen Königsthron, Neapel wurde Napoleons Schwager Joachim Murat zugesprochen. Der Krieg in Spanien und Portugal kostete Frankreich indessen 300 000 Menschenleben, verursachte enorme Kosten und trug letztlich zur Schwächung der napoleonischen Herrschaft bei.

1809 schlug Napoleon die Österreicher erneut bei Wagram, annektierte Österreichs illyrische Provinzen und schuf den Kirchenstaat ab. Napoleon ließ sich außerdem von Joséphine scheiden und vermählte sich 1810 mit der habsburgischen Erzherzogin Marie Louise, der Tochter des österreichischen Kaisers. In diese Verbindung mit dem ältesten Herrscherhaus Europas setzte er große Hoffnungen hinsichtlich einer neuen europäischen Herrscherdynastie, die sich allerdings nicht erfüllen sollten. Im selben Jahr erreichte sein Imperium durch die Annektierung Bremens, Lübecks und anderer Teile Norddeutschlands sowie – nach der erzwungenen Abdankung Louis Bonapartes – des gesamten Königreiches Holland seine größte Ausdehnung.

Napoleonische Herrschaft in Europa

In fast allen Gebieten, die unter napoleonischer Herrschaft standen, wurde die Staatsverfassung geändert und der Code Napoléon als Zivilrecht eingeführt. Das bedeutete für große Teile der betroffenen Bevölkerung erstmals eine Garantie bürgerlicher Rechte. Auch in Deutschland wurden die Reformen von demokratisch gesinnten Kräften vielerorts begrüßt, andererseits befürworteten diese Kreise zugleich einen deutschen Nationalstaat, was sie wiederum in Gegensatz zu Napoleon brachte. Im Rahmen eines romantisierten Patriotismus sollten sie eine wichtige Rolle in den Befreiungskriegen spielen. Insgesamt wuchs der Widerstand gegen die französische Fremdherrschaft in ganz Europa, wurde aber zunächst noch in Schach gehalten (Andreas Hofer in Tirol).

Napoleons Niedergang

1812 war das Jahr der Wende in Napoleons politischem und militärischem Schicksal. Die Schlüsselrolle spielte der Feldzug nach Rußland. Nachdem das Bündnis mit Alexander I. aufgelöst war, vereinigte Napoleon die noch durch den Krieg in Spanien geschwächte Grande Armée und führte sie bis vor die Tore Moskaus. Der Brand der Stadt, von den Einwohnern selbst gelegt, wurde zum Fanal für den Niedergang des Feldherren und Kaisers. Die Ausplünderung der Resourcen durch die häufigen Kriege, rigorose Steuerpolitik und Polizeiherrschaft hatten Napoleon längst bei der französischen Bevölkerung in Mißkredit gebracht. Der sieglose und verlustreiche Rückzug seiner Truppen im russischen Winter brachte sie weiter gegen ihn auf und rief außerhalb Frankreichs die gegnerischen Herrscher auf den Plan. Als erste verbündeten sich Preußen und Rußland. Österreich, England, Schweden und Bayern schlossen sich an. Dieser Übermacht erlag das napoleonische Heer schließlich trotz heftiger Gegenwehr in der Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813. Anfang 1814 zogen die Verbündeten in Paris ein, unter der Führung des legendären preußischen Generals Blücher. Im April 1814 verweigerten seine Offiziere die weitere Gefolgschaft. Nachdem die Verbündeten auch einen Rücktritt zugunsten seines Sohnes abgelehnt hatten, dankte Napoleon bedingungslos ab und wurde auf die Mittelmeerinsel Elba verbannt. Seine Ehegattin Marie Louise und ihr gemeinsamer Sohn wurden von seinem Schwiegervater, Kaiser Franz I. von Österreich, in Gewahrsam genommen. Napoleon sah die beiden niemals wieder. Er selbst kehrte im März 1815 nach dramatischer Flucht noch einmal nach Paris zurück, für die „Herrschaft der Hundert Tage". Es gelang ihm zwar, durch das Versprechen einer neuen demokratischeren Verfassung erneut die Veteranen der alten Feldzüge um sich zu sammeln, seine Friedensinitiative bei den Verbündeten schlug hingegen fehl. Die vereinten preußischen und englischen Streitkräfte unter Führung von Wellington und Blücher bereiteten den letzten napoleonischen Truppen in der Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815 eine vernichtende Niederlage. Napoleon wurde auf die winzige Insel Sankt Helena im Südatlantik verbannt, wo er am 5. Mai 1821 an Magenkrebs starb. Seine Gebeine wurden 1840 in den Pariser Invalidendom überführt.

Nachwirkung und Legende

Die Erfolge als Feldherr und der Pomp, mit dem Napoleon seine Herrschaft zur Schau stellte und sich selbst zum Begründer einer Blütezeit Frankreichs stilisierte, begünstigten das Entstehen einer Legende bereits zu seinen Lebzeiten. Auf Sankt Helena wurde sie von ihm selbst dahingehend erweitert, daß er die Errungenschaften der Französischen Revolution bewahrt und Europa ihre Segnungen beschert habe. Trotz seiner teils tyrannischen Herrschaft, die der demokratischen Zielsetzung der Revolution zuwiderlief, trifft dies in gewissem Maß zu. Auf dem Wiener Kongreß 1814/1815 erreichten die Siegermächte unter Führung Metternichs eine weitgehende Restauration der alten Monarchien Europas und unterdrückten die Freiheitsbewegungen mit drakonischen Gesetzen. Durch Napoleons Eroberungszüge war jedoch das Ideengut bürgerlicher Reformen weit verbreitet worden, und so gehen die Juli Revolution in Frankreich 1831, die Märzrevolution in Deutschland 1848 und andere Erhebungen indirekt auf sein Wirken zurück.

Ebenfalls zu Lebzeiten Napoleons setzte das Echo auf seine Person in Kunst und Literatur ein. In Frankreich herrschten heroisierende Tendenzen vor, wie sie Jacques Louis Davids Gemälde repräsentieren, doch fand er z. B. auch unter den deutschen Dichtern der Epoche zum Teil begeisterte Zustimmung (Hölderlin: Bonaparte, 1798). Während der Mythos als Nationalheld der Franzosen weiter fortwirkte (Victor Hugo, Alexandre Dumas Père), bezog die Nachwelt im Ausland vermehrt kritische Postionen (George B. Shaw: The man of destiny, 1897; Arnold Zweig: Bonaparte in Jaffa, 1939). Der französische Regisseur Abel Gance erwies ihm mit seinem monumentalen Stummfilm (Napoléon, 1923-1927) nochmals eine patriotisch gefärbte Hommage. Insgesamt erweist es sich auch heute, im Licht einer fortgeschrittenen Geschichtswissenschaft, als schwierig, ein Phänomen wie Napoleon gültig zu beschreiben und zu bewerten.

Quelle: Microsoft Corporation (Hg.): Encarta® 97 Enzyklopädie. Microsoft Corporation, Redmond (Washington) 1993-1996

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