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3.2
Germania
De origine et situ Germanorum
3.2.1 Inhalt
Der Inhalt der Germania besteht aus drei Teilen. Im ersten Teil (Kap. 1-5) beschreibt Tacitus die
Geographie Germaniens, die Ursprünge der Germanen und ihre wirtschaftlichen
Verhältnisse. Im zweiten Teil (Kap. 6-27) folgt ein allgemeiner Überblick über das
öffentliche Leben der Germanen. Tacitus beschreibt hier unter anderem Kriegssitten,
Religion, Rechtswesen, Gefolgschaft und alltägliche Gewohnheiten wie z.B. Wohnung,
Kleidung, Ehe und Trinksitten der Germanen. Danach (Kap. 28-46) beschreibt Tacitus die
einzelnen germanischen Völker von Westen nach Osten und beschließt seinen Germanien
Exkurs mit einer germanischen Sage.
3.2.2 Ergänzendes
Tacitus beschreibt in seiner Germania ein Volk, mit dessen Lebensweise er sehr genau vertraut ist. Nicht zuletzt
dieses teilweise sehr detaillierte Wissen über die Germanen hat öfters zu Vermutungen
und Hypothesen (von modernen Historikern) über die Herkunft dieser Informationen
geführt. Während Tacitus lebte, kam es an der Rheingrenze immer wieder zu Übergriffen
von Seiten der Germanen. Noch interessanter wurde das Thema, nachdem Domitian 83 einen Teil germanisches Gebiet
unterworfen, die Provinzen Germania superior und inferior eingerichtet und die
"Germanenfrage" damit als gelöst hingestellt hatte. Die Römer waren sicher
daran interessiert, mehr über die Sitten und Lebensweisen des "neu
unterworfenen" Volkes zu erfahren. Tacitus lieferte ihnen diese Informationen und
wies dabei auf die Gefahr hin, die die Germanen immer noch darstellten. Zitat 3: "Er schildert die Vielfalt, Stärke
und Unberechenbarkeit der germanischen Völker, die keineswegs alle unterworfen sind, ja
läßt sogar durchblicken, daß die Germanen nach wie vor die gefährlichsten Gegner Roms
sind ... ."
Die umstrittenste, aber auch gleichzeitig interessanteste Frage im Zusammenhang mit der
Germania, ist die Frage nach dem Sinn der Germania. Der Hauptgrund war sicher,
Informationen über die "unterworfenen" Germanen zu finden. Aber interessant ist
auch die sogenannte Sittenspiegeltheorie, denn Tacitus stellt in der Germania die
verdorbenen Sitten in Rom den unverdorbenen Sitten der Germanen gegenüber. Trotzdem muß
Tacitus auch die negativen Seiten der Germanen gekannt haben. Auf diese wird leider nur am
Rande eingegangen, was Tacitus bei einigen Kritikern die Bewertung eingebracht hat, er
wäre (Zitat 4:) "... blind für Fehler
der Germanen ..." gewesen. Meiner Meinung nach haben aber die negativen Züge der
Germanen einfach nicht in das Bild des Germanen gepaßt, das Tacitus mit seiner Germania
schaffen wollte: Nämlich das Bild des kriegerischen und moralisch unverbrauchten
Germanen, der noch lange nicht unterworfen war.
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