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Dialog über die Redner
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Agricola
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3.3  Agricola

                    De vita Iulii Agricolae

 

3.3.1  Inhalt

 

Das erste von Tacitus veröffentlichte Werk handelt vom Leben seines Schwiegervaters Gnaeus Iulius Agricola. Agricola wurde 40 n. Chr. in Forum Julii (heute Fréjus ) geboren. Vor seinem Konsulat war er bereits zweimal für die Armee in Britannien tätig: Im Jahr 60 als Militärtribun und nach seiner Prätur (68) als Legat (Legionskommandant). In einem Exkurs erzählt Tacitus von der Bevölkerung Britanniens und den römischen Eroberungen seit Cäsar. Nach seinem Konsulat im Jahr 77 wurde Agricola von Vespasian als Statthalter wieder nach Britannien entsandt, wo er bis 84 regierte. Während seiner Amtszeit eroberte er das heutige Wales und drang bis in das schottische Hochland vor. Eine von ihm entsandte Flotte beweist durch eine Umrundung Britanniens, daß Britannien eine Insel ist. Für seine Erfolge wurde Agricola ausgezeichnet, trotzdem bekleidete er bis zu seinem Tod (93) kein weiteres Amt mehr.

 

3.3.2   Ergänzendes

 

Der interessanteste Punkt im "Agricola" sind die Kapitel 40-43, in denen Tacitus über die Abberufung des Agricola und dessen letzte Lebensjahre berichtet. Diese Kapitel werden von der Eifersucht des Tyrannen Domitian gegen Agricola überschattet. Domitian und Agricola waren die erfolgreichsten Feldherren dieser Zeit, besonders nachdem später einige Heere in Moesien, Dacien, Germanien und Pannonien besiegt wurden. Domitian, der am Anfang seiner Regierung einen Krieg gegen die Chatten geführt hatte, war auf den militärischen Ruhm des in Britannien so erfolgreichen Agricola neidisch, so daß er ihn schließlich abberief. Ein anderer Grund für die Abberufung des Agricola war sicher, daß die Regierung keinen Sinn darin sah, den Krieg in Britannien weiterzuführen. Zitat 5: "Es ist wahrscheinlicher, daß die Regierung in Rom uninteressiert daran war, weiteres unfruchtbares Land im Norden Englands zu besetzen, dessen Einkünfte bei weitem nicht die Ausgaben seiner Verwaltung gedeckt hätten." Dies ging sogar so weit, daß die nördlichsten Eroberungen des Agricola bereits nach seiner Rückkehr nach Rom wieder aufgegeben werden mußten. Beide Gründe waren wohl für die Rückberufung des Agricola entscheidend. Trotzdem wurden dadurch Neid und Mißgunst des Kaisers nicht besänftigt. Ganz im Gegenteil: Agricola wurde sogar durch Untergebene des Domitian aufgefordert, auf ein Prokonsulat über die Provinz Asien oder Afrika zu verzichten (s. Kap.42). Ob es ein Zeichen für Domitians Haß war, daß der Kaiser sich durch Eilboten vom Stand des Todeskampfes des Agricola hat unterrichten lassen (s. Kap.43), muß jeder selbst entscheiden. Ganz eindeutig aber läßt sich das Testament des Agricola zuordnen, in dem er Domitian als Erben einsetzt. Es scheint eindeutig zu sein, daß Agricola Domitian nur zum Erben gemacht hat, um seine Familie vor weiteren Nachstellungen des Tyrannen zu schützen. Tacitus, der ja die Tochter Agricolas geheiratet hat und dadurch einer seiner engsten Verwandten war, muß die wirklichen Beweggründe Agricolas für das Testament gekannt haben.
Die Figur des Domitian, die im Buch nur in einer sehr negativen Form dargestellt wird, zeigt schon die Grundzüge des Domitian, den Tacitus in den verschollenen Historien dargestellt haben dürfte.

TACITUS - sine ira et studio
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