Startseite - Werke



Dialog über die Redner
Germania
Agricola
Annalen
Historien

3.4  Annalen

                   Annales – Ab excessu divi Augusti

 

3.4.1   Inhalt

 

Gleich am Anfang seines Werkes, in der praefatio, macht Tacitus uns mit seiner Maxime bekannt, möglichst objektiv zu schreiben, dem bekannten "sine ira et studio". Die Annalen beginnen mit dem Tod des erfolgreichen Kaisers Augustus. In den Bänden 1-6 wird die Geschichte des Kaisers Tiberius erzählt. Die Bände 7-12, enthalten die Regierung der Kaiser Caligula (37-41) und Claudius (41-54), erhalten ist nur die zweite Hälfte des 11. und das 12. Buches. Abschließend behandeln die Bände 13-18, die Regierung Neros. An die Ereignisse nach Neros Tod Ende 68 schließen die Historien an.

 

3.4.2  Ergänzendes

 

Die ersten Bücher der Annalen wurden in den Jahren 115-117 geschrieben und wohl auch veröffentlicht. Für die restlichen Bücher dürfte er noch mindestens bis ins Jahr 120 zu tun gehabt haben (Daher auch sein angenommenes Todesjahr: s. Zeitlicher Überblick). Tacitus plante, in den Annalen die Geschichte bis Ende des Jahres 68 zu erzählen. Ob er sein Werk vollenden konnte, oder zwischendurch gestorben ist, wissen wir nicht.
Leider sind die Annalen nicht vollständig erhalten: Die Bände 1-4 liegen fast vollständig vor. Dann existiert noch der Anfang von Band 5 und ein Teil von Band 6. Die Bände 7-10 und der Anfang von Band 11 fehlen. Erhalten sind dann wieder die Bände 12-16, wobei das Ende von Band 16 unvollständig ist.
Zu den fehlenden Stellen der Annalen gibt es mindesten zwei, wie ich sie nenne, "Verstümmelungstheorien". Zitat 6: "Es scheint im übrigen nicht unwahrscheinlich, daß die Verstümmlungen in Buch V und VI daher rühren, daß die christlichen Überlieferer der Texte die taciteische (und damit römische) Darstellung des Jesus-Prozesses in Jerusalem im Jahr 30n. Chr. von ihrem Blickpunkt her für nicht akzeptierbar fanden [siehe dazu: Anhang, d.V.]." Eine andere Theorie besagt, daß Tacitus während der Bearbeitung von Band 16 starb und so sein Werk nicht beenden konnte. Zur ersten Theorie kann man deutlich mehr sagen als zur zweiten. Aus mittelalterlichen Originalquellen kann man erkennen, daß sich die Mönche für das Leben der frühen Christen, z.B. unter Nero interessierten und die Ausführungen des Tacitus kritisch beleuchteten. Trotzdem kann nicht nachgewiesen werden, ob sich der Römer Tacitus überhaupt dem Tod des Juden Jesus gewidmet hat, der zwar für die zu Tacitus' Lebzeiten schon sehr aktiven Christen eine entscheidende Rolle spielte, aber für die Römer insgesamt wohl nicht so interessant gewesen sein dürfte.
Umstritten ist auch, ob die Annalen aus 16 oder aus 18 Bänden bestanden. Zitat 6: "Fest steht, daß die Annalen und die Historien zusammen aus 30 Büchern bestanden. In mittelalterlichen Handschriften wird das erste Buch der Historien manchmal auch als Buch XVII [17, d. V.] bezeichnet – daher die Einteilung in 16 Bücher Annalen und 14 Bücher Historien." Ich persönlich werte dies allerdings eher als ein festes Indiz dafür, daß bereits damals kein weiterer Band als der 16. überliefert wurde. Sei es nun, weil Tacitus vor der Vollendung starb oder weil die Schriften bereits verloren waren.

TACITUS - sine ira et studio
Copyright © 1998-2001 by Frederik Geier