Sport an der FvS - Facharbeit Tischtennis - Geschichte

 

2. Geschichte:

Heutzutage spielen in Deutschland etwa 707.000 Menschen Tischtennis. Sie spielen in den rund 10.500 Vereinen auf professioneller Basis, aber die meisten betreiben diesen Sport als Hobby. Mit diesen Zahlen ist der Deutsche Tischtennis Bund (DTTB) der achtgrößte Verband Deutschlands.

Entstanden sind diese vielen Vereine in einer seit ca. 1900 anhaltenden Entwicklung vom Pausensport zum Wintersport, weil es eine der wenigen Sportarten war, die in Hallen gespielt werden konnte und man trotzdem „fit“ blieb, bis hin zum Vereinssport.

Tischtennis hat sich aus dem Tennis, wie schon aus dem Namen ersichtlich, entwickelt. Aber wie ist das Tennis entstanden?

2.1    Ballspiele keine Erfindung der Neuzeit

Tennis ist ein Ballspiel, bzw. ein Rückschlagspiel, und entwickelte sich aus Formen des Ballspiels von ca. 3000 v. Chr. in Ländern wie z.B. Ägypten, China, usw. Früher waren Ballspiele Freizeitbeschäftigungen für den „Adel“, viele große Spieler, z.B. Alexander der Große oder Galileo Galilei sind uns heute nur durch andere Taten bekannt und nicht durch den Sport Tischtennis. Tennis wurde im 16.- 19. Jahrhundert im Freien (longue paume) sowie in der Halle (courte paume) gespielt, und wurde auch allgemein Paume genannt. Die Sportart Paume war allgemein eine Mischung des heutigen Tennis und Badminton, da z.B. das Netz höher hing als beim Tennis. Aus den Bezeichnungen ist auch wiederum zu erkennen, wo Paume seine Blütezeit erlebte, nämlich in Frankreich. Aber auch in anderen europäischen Ländern wie z.B. Deutschland und England wurde die Vorform des heutigen Tennis begeistert gespielt. Das erste internationale Spiel soll im Jahr 1505 ein Spiel zwischen zwei Königshäusern im englischen Königshaus Windsor ausgetragen worden sein.

Aus Paume entwickelte sich das heutige Tennis und später, um 1877, entstand ein neuer Sport, das Tischtennis. Zu dieser Entwicklung kam es, als die „feinen“ Herren und Damen auch bei schlechtem Wetter aktiv sein wollten und das dazu noch im Salon. Man experimentierte mit Miniaturausgaben des Krocket, Bowlings, etc. und schließlich, als diese alle gescheitert waren wurde das Tennisfeld auf einen Tisch verlegt und somit der Sport Tischtennis geboren.

2.2    Tischtennis entsteht

In der Anfangszeit wurde einfach ein Seil über einen Küchen- oder Wohnzimmertisch gespannt - und fertig war das Spielfeld. Die Schläger ähnelten unseren Federballschlägern und der Ball war ein rund geschnitzter Korken, bald aber schon aus Gummi.Damit der Ball nicht unter die anderen Möbel rollte, wurde um den Tisch ein Netz gespannt, das den Ball abfing.


Abb. 1: Im Wohnzimmer ein Tischtennisspiel, früher keine Seltenheit!

1896 wurde der Sport durch eine Verbesserung der Bälle noch attraktiver gemacht. Nun bestand der Ball aus - dem noch heute benutzten Stoff - Zelluloid, wurde aber aus zwei Hälften zusammengesetzt, so dass er an der Naht unberechenbar versprang. Verbesserungen erhielt auch der Schläger, denn der lange Schläger war nicht zum schnellen Spiel geeignet. Es wurde mit Fell- oder Leder bespannten, bzw. beklebten, Schlägern in der Form unserer heutigen Schläger experimentiert. Manche versuchten sich auch mit reinen Holzschlägern. Um 1902 kam man auf die Idee, den Schläger mit Noppengummi zu bekleben. Hierzu gibt es eine kuriose Geschichte, in welcher ein bis dahin unbekannter Tischtennisspieler (E. C. Goode) vor einem Turnier in einer Apotheke Kopfschmerztabletten kaufen wollte und beim Bezahlen merkte, dass die Geldstücke auf der weichen Gummiunterlage des Tresens hochhüpften. Er entschloss sich, neben den Kopfschmerztabletten auch noch diese Matte zu kaufen und auf seinen Schläger zu kleben. Er erreichte das Finale und schlug sehr bekannte Spieler eindeutig.

Ein Jahr vorher gründeten sich zwei  rivalisierende Verbände, die versuchten, den Sport zu regeln (in Bezug auf das Regelwerk). Es gab den TTA („Table Tennis Association“) und den von der Sportartikel Industrie gestützten PPA („Ping- Pong Association“). Ihre Regeln waren sehr unterschiedlich, so war der Aufschlag im Regelbuch der TTA  ähnlich wie der heutige Aufschlag beim Tennis und bei der PPA ähnlich dem heutigen Tischtennisaufschlag.


Abb. 2: So werden die ehemaligen Spiele abgelaufen sein.

Nach mehreren Querelen zwischen den beiden Verbänden schlossen sie sich zur „United Table Tennis and Ping Pong Association” zusammen, behielten aber den Namen TTA. Dieser neue Verband änderte aber nichts an der immer uninteressanter werdenden Spielweise des „Mauerns“. Dieses „Mauern“ bedeutet, dass der Ball gehalten wurde, bis der andere einen Fehler machte. Dies dauerte oft sehr lang, so soll der längste überlieferte Ballwechsel zwei Stunden und 12 Minuten gedauert haben. Diese Spiele waren nicht mehr so interessant wie die schnellen und spannenden Partien vorher und so fiel der Sport in eine „Tischtennis Depression“[1] und wachte erst 1922 wieder auf.

2.3    Tischtennis lebt wieder auf und etabliert sich

1922 gründete sich die PPA neu, musste sich aber in ETTA („English Table Tennis Association“) umbenennen, da die Industrie auf das Patentrecht  ihres eingetragenen Namens Ping- Pong bestand. Verbandsmitglieder organisierten 1923 ein Turnier, was alles bisher gesehene in den Schatten stellte (40.000 Spieler und Spielerinnen in 40 Hallen). Bei diesem Turnier dauerte es fast vier Monate, bis die Sieger feststanden.

In Deutschland dauerte alles etwas länger, so wurde der noch heute bestehende DTTB („Deutscher Tischtennis-Bund“) erst am 8. November 1925 gegründet. Dieser Verband erhielt (wie so vieles) mit der Machtergreifung Hitlers und seiner Nationalsozialisten einen Rückschlag und wurde erst 1949 wiedergegründet.

1926 fanden die ersten Weltmeisterschaften im Tischtennis statt. Diese waren erst als Europameisterschaften ausgeschrieben, wurden aber im Nachhinein als Weltmeisterschaften umfunktioniert, da auch Indien teilnahm. Im Rahmen dieses Turniers wurde aus den bis dahin erschaffenen Verbänden aus England, Österreich, Ungarn, Deutschland, Dänemark, Schweden, Wales, Indien und der Tschechoslowakei  der ITTF („International Table- Tennis Federation“) gegründet.

Der ITTF schaffte international einheitliche Regeln und Maße. Diese damals erschaffenen Regeln und Maße gelten größtenteils heute noch, nur die Ballgröße und das Gewicht wurde zum Jahr 2000 von 38 mm auf 40 mm, bzw. von 2,5 auf 2,7 Gramm erhöht. Gegen die langweilige Mauertaktik führte man ein Zeitlimit ein, bei dessen Überschreitung beide Spieler zu disqualifizieren waren (60 Minuten bei 2 Gewinnsätzen und 105 Minuten bei 3 Gewinnsätzen).

Im Sektor der Beläge bahnte sich eine weitere Entwicklung an. Es wurde mit dicken Schaumstoffmatten experimentiert und in diese Technik Japan vollendet. Mit ihren neuen Belägen wurden Tempowerte, die bisher für unvorstellbar gehalten worden waren, erreicht. Ab diesem Zeitpunkt war Japan die neue Macht im Tischtennis. Der ITTF verbot diese Form des Belages 1959, da sie einen erneuten Imageverlust des Tischtennis befürchteten. Das neue Spiel der Japaner war auf andere Weise uninteressant als das „Mauern“, es war zu schnell und zu berechenbar. Die neuen Beläge durften nur noch eine Gesamtdicke von maximal vier Millimeter vorweisen und ihr Oberbelag durfte nicht mehr aus Schaumstoff bestehen. Hieraus entwickelten sich die heutigen „Sandwich“ –Beläge, bestehend aus einer Schaumstoffschicht als Unterlage und  einer Noppenmatte als Oberbelag (entweder mit den Noppen innen, welche die heutzutage am weitesten verbreiteten sind, da sie für fast alle Spielweisen einsetzbar sind oder außen, welche für defensives Konterspiel mit wenig Rotation genutzt werden).

Durch diese nun geregelte Belagsituation entstand das Offensivspiel in der heutigen Form. Vorreiter war wiedereinmal Japan, das einen Schlag erfand, der den Europäern viele Probleme bereitete: Der Topspin war geboren. Ab diesem Zeitpunkt kamen für die nächsten 30 Jahre alle Weltmeister aus dem asiatischen Raum.

Ab 1958 wurde die erste Europameisterschaft ausgetragen, da man sich auch mal wieder Sieger nennen und sich nicht nur immer den Japanern oder Chinesen geschlagen geben wollte. Außerdem wurden ab 1957 Weltmeisterschaften nur noch im Zweijahresrhythmus ausgetragen. Der Topspin fand nun auch Könner im europäischen Raum, so dass Europa nun auch wieder Erfolge auf weltweiten Turnieren aufweisen konnte.

 



[1] Schmicker, Jürgen: Das große Buch des Tischtennis, Schwalmtal 2000, S.24 Z.14,15

 

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