Freiherr-vom-Stein-Schule

Freiherr-vom-Stein-Schule

Gesamtschule mit gym. Oberstufe in Hessisch Lichtenau

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Besuch aus Mittelamerika an der FvSS

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Am 18.9. bekamen die SchülerInnen der 6. Klasse von Frau Breitner und der 7. Klasse von Frau Herrmann Besuch von drei Gästen aus El Salvador und Frau Wingenroth, die wichtige Hintergrundinformationen mitbrachte, denn sie hat die Gemeinde in San Salvador wiederholt besucht.

Die Freiherr-vom Stein-Schule unterstützt seit vielen Jahren die Gemeinde 22. de abril in San Salvador. Frau Herrmann und Frau Breitner hatten ihre Klassen mit Hilfe von Fotos, Interviews und Texten (von Frau Wingenroth) zu El Salvador und der Gemeinde 22. de abril vorbereitet.

Die Schulleiterin Flor und ihr Mann Gilberto sowie die medizinische Laborantin Maritza berichteten mit Hilfe einer Power Point Präsentation von den verschiedenen sozialen Projekten in ihrer Gemeinde. Danach bekamen die SchülerInnen die Gelegenheit , die im Unterricht erarbeiteten Fragen zu stellen. Dank der Übersetzung von Herrn Tschiersky konnten wir uns prächtig verständigen.

Leider ist es so, dass die Menschen in der 22. de abril sehr arm sind und von ihrer Regierung kaum unterstützt werden. Auf Grund der sozialen Probleme in El Salvador haben sich Jugendbanden gebildet, die bereits kleine Kinder für ihre kriminellen Machenschaften benutzen. Die Kinder und Jugendlichen, die in die sehr fortschrittliche Schule der Gemeinde gehen, werden ebenso wie alle anderen Menschen im Land bedroht, wenn sie nur in ein anderes Stadtviertel gehen wollen. Dies ist auch der Grund, warum die Eltern sie nachmittags nach Möglichkeit in die kleinen Hütten, in denen sie leben, einsperren.

Die Kinder freuen sich dann sehr, wenn sie in der Schule oder dem Kindergarten der 22. de abril spielen dürfen, vorgelesen bekommen, Bücher haben, ihnen zugehört wird, sie zwei Mahlzeiten bekommen (oft das Einzige, was sie zu essen bekommen, da die Eltern/ Mütter zu arm sind), sie kostenlos untersucht werden, ihnen Lesen, Schreiben und Rechnen, vor allem aber selbstständiges Denken beigebracht wird.

Die Schule stellt für die Kinder und Jugendlichen also einen Gegenpol zu ihrer Alltagssituation in den Familien dar, wo sie viel Gewalt erleben, kein verständnisvolles Ohr ihnen zuhört und sie gezwungen sind, für ihr Überleben selbst (mit) zu sorgen. Als Beispiel sahen wir ein Foto des monatlich abgehaltenen Geburtstagsfestes für mehrere Kinder, deren Eltern einfach nicht an ihren Geburtstag gedacht hatten.

Eine weitere Besonderheit des Projektes ist, dass auch kleine Ausflüge, z.B. ins Schwimmbad oder auf den Bauernhof, unternommen werden. Alleine könnten sie es da niemals wagen hinzugehen... Viele Kinder erleben zum ersten Mal, was es bedeutet, die Natur zu erforschen, Hühner beim Eierlegen oder das Keimen und Wachsen von Sonnenblumen zu beobachten.

Zu den Sozialprojekten, die von deutschen, österreichischen, italienischen Kirchengemeinden und einigen Schulen (z.B. der Freiherr-vom-Stein-Schule, Johannisbergschule in Witzenhausen oder der Obersbergschule in Hersfeld) finanziell unterstützt werden, gehört:

- Die Schule, die mit kreativen Methoden arbeitet und keine Schuluniform fordert
- die Schule unter freiem Himmel, die sich mitten im Elendsviertel an irgendeiner Hausecke trifft, damit auch jene Kinder etwas lernen können, die sonst den ganzen Tag arbeiten müssen
- der Kindergarten, wo ebenso Kinder zum Spielen und Lernen angeleitet werden
- die Basisgesundheitsstation, die Behandlungen und Untersuchungen, aber auch eine günstige Medikamentenversorgung für die Kinder gewährleistet und
-der Bauernhof, der für die Entdeckung der Natur gebraucht wird. Außerdem bezieht die Schule hierher einen Großteil der Lebensmittel für die Schulspeisung (Eier und Sojamilch, Früchte und Gemüse).

Es war beeindruckend, die Gäste selbst zu hören und zu sehen und ihre liebevolle Art, mit der sie sich den Kindern und Jugendlichen in ihrer Heimat zuwenden, zu erleben. Auch die schöne Art Gilbertos, Volkslieder aus seiner Heimat zur Gitarre zu singen, hat den SchülerInnen der 6a und 7a gefallen.

Beeindruckend waren aber auch manche Fragen der deutschen SchülerInnen, die gestellt wurden:

"Ist das Land heute so, wie es sich Oscar Romero (Bischof von San Salvador, der ermordet wurde, weil er sich für Gerechtigkeit in seinem Land einsetzte) gewünscht hätte?",
"Haben die Kinder eine ähnliche Beziehung zu ihren Lehrerinnen wie zu einer Mutter?",
"Was passiert mit Jugendlichen, die in die Hände einer Jugendbande fallen?" oder
"Warum sind die Menschen in El Salvador eigentlich so arm?" waren nur einige von ihnen.



Text: C. Seiler