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Motivation aus dem Kerncurriculum Geschichte (Oberstufe) des Landes Hessen

„Aus der Geschichte lernen“ gilt seit der Antike als grundlegende Voraussetzung für kluges politisches Handeln. Auch heute greifen informierte, politisch handlungsfähige und mündige Bürgerinnen und Bürger auf Wissen über die Vergangenheit und Einsichten in historische Prozesse und Strukturen zurück.

Allerdings ist es notwendig, sich auch der Grenzen des Lernens aus der Geschichte bewusst zu sein. Nur ein Geschichtsbewusstsein, das um die Chancen und Grenzen der Sinnbildung durch Begegnung mit Geschichte weiß, ist reflektiertes Geschichtsbewusstsein. Reflektiertes Geschichtsbewusstsein besteht zum einen darin, geschichtliche Voraussetzungen und Entwicklungsperspektiven der gegenwärtigen Gesellschaft zu erkennen (Ursachenzusammenhang zwischen Vergangenheit und Gegenwart) und auf dieser Grundlage Entscheidungen zu treffen.

Zum anderen kann die Beschäftigung mit der Vergangenheit Auskunft darüber geben, wie Menschen früherer Zeiten mit ähnlich gelagerten Problemen, für die wir auch heute nach Lösungen suchen, umgegangen sind (Sinnzusammenhang).

Während das Erkennen des Ursachenzusammenhangs auf die Erklärung der Genese der Gegenwart zielt, verweist der Sinnzusammenhang auf die Orientierungsfunktion von Ge-schichte. Dieser ermöglicht eine reflektierte Einschätzung der Gegenwart durch die Entdeckung des Bekannten wie des Unbekannten, der Eigenart und der Andersartigkeit der Vergangenheit.

In gleichem Maße, wie Geschichtsunterricht die Fähigkeit der Lernenden entwickelt, Ursachen- und Sinnzusammenhänge herzustellen, muss er die Lernenden befähigen, solche Konstruktionen zu „dekonstruieren“, indem sie nach erkenntnisleitenden Interessen sowie zugrunde liegenden Wertvorstellungen und der Wirkungsabsicht fragen.